Unsere Linktipps für den Juli

Bei unserer Arbeit stoßen wir auf Links, Interviews oder Menschen, die wir spannend finden. Mit unseren Linktipps rund um Künstliche Intelligenz und humane Nutzung der Informationstechnologie wollen wir diese Anregungen an Sie weitergeben.

Von Sascha Blättermann

Schwerpunkt: Wie stellen wir uns dem technischen Wandel?
Die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz ziehen sich durch unsere ganze Lebenswelt. In allen Bereichen wird nach Strategien gesucht, wie wir mit diesem technischen Wandel umgehen soll.

Weitere spannende Links:

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Gefahren der KI: Wenn er sie nicht nennen kann, wer dann?

Kritische Anmerkungen zu einem aktuellen Interview mit dem Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, Wolfgang Wahlster

von Michael Mörike

In der neuesten Ausgabe von „brand eins wissen“ ist ein großes Interview mit Wolfgang Wahlster, Leiter des deutschen Forschungszentrums für künstliche Intelligenz, abgedruckt. Seine Aussagen zur Gefahren der Künstlichen Intelligenz verdienen Widerspruch. Wolfgang Wahlster sagt im Interview unter dem Titel „Abstand halten“, dass KI nicht so schlimm sei, wie sie von anderen dargestellt würde: „Das ist diese Idee der Super-Intelligenz, die eines Tages in jeder Hinsicht intelligenter ist, als der Mensch, sodass sie die Kontrolle und die Macht an sich reißt.  Aber das ist Unsinn.“ Er begründet seine These mit vielen Beispielen, die zeigen, welche Fähigkeiten Künstliche Intelligenz heute noch nicht hat.

Wahlster sagt zum Beispiel, dass künstliche Intelligenz heute noch keine sensomotorischen Fertigkeiten wie ein Mensch besitzt: „Wir brauchen zum Beispiel sensomotorische Fähigkeiten – und keine Roboterhand ist so gut wie die menschliche. Maschinen besitzen eben nicht das ästhetische Empfinden des menschlichen Endkunden.“ Noch sind Roboter – im Vergleich zum Menschen – mit relativ wenigen und unsensiblen Sensoren und Aktoren ausgestattet. Außerdem ist deren Steuerung programmiert. Noch.

Ein weiteres Argument ist die unvollständige Nachbildung des Menschen: „In der Künstlichen Intelligenz beziehen wir uns immer auf den Elektroteil des Gehirns, also auf die Fähigkeiten, die mit elektronischen Funktionen erklärbar sind. Die können wir im Computer nachbilden. Doch die Intelligenz des Menschen beruht auch auf seiner Biochemie, seinem limbischen System.“ Noch haben wir das limbische System und seine Funktion im Kopf des Menschen nicht so richtig verstanden. Es ist ein entwicklungsgeschichtlich altes System, in dem Information nicht nur mit elektrischen Nervensignalen, sondern auch chemisch verarbeitet wird. Das bedeutet aber nicht, dass man mit Chemie arbeiten muss, um Intelligenz auf dasselbe Niveau wie das des Menschen zu heben. Es heißt nur, dass wir noch nicht alles technisch nachmachen können, was die Natur uns vormacht.

Warum sollen Befürchtungen nicht wahr werden?

Künstliche Intelligenz ist heute gut darin, riesige Datenmengen in kürzester Zeit auszuwerten und Ähnlichkeiten, – sagen wir: Muster – darin zu erkennen. Noch beherrscht Künstliche Intelligenz nicht die Abstraktion daraus, auch wenn Herr Wahlster einige Beispiele dafür anführt, in denen es bereits gelingt: Zum Beispiel erkennt eine Software einen Autounfall, weil Polizisten und ein Auto mit Beulen auf einem Bild zu sehen sind.

Sicher: Wolfgang Wahlster hat mit vielen seiner Aussagen auch recht. Und heute können wir ein System mit künstlicher Intelligenz noch herunterfahren, wenn es uns nicht mehr passt. Aber die Frage ist: Was machen wir aber, wenn sie uns in Form eines selbstverteidigenden Roboters daran hindert? Oder wenn sie sich zur Superintelligenz entwickelt hat und uns alle „überlistet“? Seine Aussagen sagen nichts darüber aus, was eines Tages – oder sollen wir sagen: demnächst – möglich sein wird. Insbesondere fehlt eine Aussage dazu, warum Befürchtungen nicht wahr werden können.

Was passiert dann? Darauf gibt auch Wolfgang Wahlster keine Antwort. Vielleicht kann er es auch gar nicht, denn wer kann das heute schon? Er macht auch keinen Versuch, eine Antwort oder wenigstens eine Verhaltensregel zu geben, wie das verhindert oder wenigstens hinausgezögert werden kann. Und wenn er es nicht kann, wer soll es dann können?

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Ausschreibung des Wolfgang-Heilmann-Preises 2017

Wie verändert Digitalisierung die Führung von Politik, Unternehmen und Gesellschaft? Der Wolfgang-Heilmann-Preis sucht nach Antworten – und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Digitalisierung ist überall: Die Kinder spielen zuhause auf dem Tablet und zeigen ihre Lebenswelt auf Instagram, die Eltern vernetzen sich auf Facebook. Unter dem Stichwort Industrie 4.0 werden auf Arbeit immer größere technische Fortschritte erzielt, um Aufgaben, die früher der Mensch übernommen hat, von Maschinen erledigen zu lassen, die fehlerfrei und rund um die Uhr arbeiten.

Der Prozess der Digitalisierung vollzieht sich rasend schnell und niemand weiß genau, wo er endet. Aber er verändert unsere Gesellschaft jeden Tag aufs Neue – positiv, wenn sich Menschen durch das Internet überall politisch engagieren und einbringen können und negativ, wenn Social Bots versuchen, uns mit gezielten Hassbotschaften zu beeinflussen. In den letzten Jahren hat die Digitalisierung unsere Gesellschaft bereits tiefgreifend verändert – und die Frage ist: Wie soll eigentlich die Führung der Gesellschaft und der Politik heute gestaltet werden? Wie verändert sich die Führung von Unternehmen oder Organisationen durch die Digitalisierung? Haben wir darauf schon eine Antwort?

Die Tübinger Integrata-Stiftung sucht nach diesen Antworten und hat dafür zum 15. Mal den Wolfgang-Heilmann-Preis ausgeschrieben. Der Preis, der jedes Jahr unter einem anderen Thema ausgeschrieben wird, ist ein Aushängeschild der Stiftung, deren Mission es ist, Informationstechnologie zur Verbesserung der Lebensqualität einzusetzen – und nicht zur Rationalisierung oder Funktionalisierung. Einsendeschluss für den Wolfgang-Heilmann-Preis, der mit 10.000 Euro dotiert ist, ist der 3. September 2017.

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Lebensqualität mit IT: Wir brauchen ein Humanimeter!

Welchen Beitrag die IT oder das „Internet of Things“ für die Lebensqualität der Menschen tatsächlich leistet, wissen wir bisher nicht. Sollten wir aber, weil wir sonst schwerkrank werden. Ein Debattenbeitrag.

Von Egon Scherer

Gesundheit, Sicherheit, Respekt, Persönlichkeit, Harmonie mit der Natur, Freundschaft und Muße: Wenn wir diese Basisgüter als Maßstab für ein gutes Leben definieren: Wo überhaupt und, wenn ja, „wieviel“ trägt die IT und das Internet of Things heute zu diesen Basisgütern bei? Wie wird sich dies in Zukunft entwickeln?

Aktuell sinkt die Intensität der Nutzung unserer technischen Produkte und die prozentuale Nutzung der Funktionen dieser drastisch. Während unsere technischen Produkte immer komplexer werden und der Funktionsumfang steigt, überlappen sie sich mit ähnlichen Produkten  – oft sogar vom gleichen Hersteller. Gleichzeitig werden wir aber von unserer Technik „konsumiert“, insbesondere dann, wenn die technischen Produkte uns permanent beschäftigen. Interessanterweise sind oft genau diese Produkte auf den ersten Blick „kostenlos“, was die Problematik verschärft. Dass dies zur Entfremdung führt, ist nachvollziehbar: Wir besitzen viele Produkte, sie bedeuten uns aber nichts. Sie erzeugen keine Resonanz.

Die Anzahl der technischen Geräte, die ein Mensch besitzt, hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm gesteigert. Derzeit ist hier auch keine Trendwende in Sicht. Aber: Können wir es uns aus philosophischer und soziologischer Sicht leisten, dass die Anzahl der Besitztümer immer weiter steigt? Wo ist die Grenze? Wir sind aus meiner Sicht definitiv auf dem Weg in eine schwerkranke Gesellschaft. Die Beschleunigung nimmt weiter zu, wir sind quasi gezwungen, oberflächlich zu agieren, darunter leidet die Selbstwirksamkeit sehr schnell und wir werden seelisch und/oder körperlich krank. Dass unsere sozialen Kontakte darunter leiden, trotz Social Media oder gerade deshalb, ist inzwischen offensichtlich.

Deswegen sollten wir überlegen, welchen Beitrag unsere technischen Produkte zur Steigerung unserer Lebensqualität beitragen. Dann muss man erst einmal klären: Ist dieser Beitrag überhaupt messbar? Gibt es dann kulturelle, globale, soziologische Ausprägungen bei der Gewichtung auf unsere Basisgüter? Aber wenn es gelingen würde, einen „Humanimeter im Internet of Things“ zu entwickeln, der uns dann sagt, ob und welchen Beitrag ein Produkt zur Befriedigung der Basisgüter leistet, könnte dies vielleicht unsere Lebensqualität steigern.

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Unsere Linktipps für den Juni

Bei unserer Arbeit stoßen wir auf Links, Interviews oder Menschen, die wir spannend finden. Mit unseren Linktipps rund um Künstliche Intelligenz und humane Nutzung der Informationstechnologie wollen wir diese Anregungen an Sie weitergeben.

Von Sascha Blättermann

Schwerpunkt: Robotik verändert unseren Alltag
Weitere spannende Links:
  • Werbe-E-Mails, Chat via Social-Media mit den Bürokollegen und dann ruft der Chef auf dem Handy an: Wie können wir eigentlich noch in Ruhe einfach arbeiten? Die ZEIT hat ein paar Tipps zusammengetragen.
  • Digitalisierung bestimmt unsere Arbeitswelt. Aber wie verändert sie die Führung von Institutionen und Unternehmen? Die Integrata-Stiftung hat auf Antworten auf die Frage 10.000 Euro ausgelobt und schreibt den Wolfgang-Heilmann-Preis zu diesem Thema aus.
  • Der Vorschlag, die Videoüberwachung auszuweiten, ist eine klassische Forderung nach einem schweren Verbrechen. Was bring die Ausweitung, welche Technik steckt dahinter – und hilft die flächendeckende Videoüberwachung überhaupt? Ein spannendes Interview bei Netzpolitik.org gibt Aufschluss.
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