Schweres seelisches Defizit

Überfordert…Bildnachweis: Oliver Flörke/Shotshop.com

Teil 5 aus der Reihe Mensch 2.0.: Der Stresspegel ist nun übermächtig, Ängste dominieren das Verhalten und die Software im Gehirn greift nun zu drastischen Maßnahmen: Verstand, Vernunft und soziales Empfinden werden heruntergefahren, die Wahrnehmung verfälscht und weitere Urprogramme unbewusst und zwangsläufig aktiviert, um den seelischen Niedergang aufzuhalten. Arbeitsqualität und Lebensgefühl leiden. Kann eine KI helfen?

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Sollte es im akuten seelischen Defizit nicht gelingen, das Ruder herumzuwerfen und seinen seelischen Pegel zu stabilisieren, droht nun das „schwere seelische Defizit“: Nur noch Basis-Schichten arbeiten noch, der hohe Stresspegel mit starken Ängsten lähmt Verstand und Vernunft und zwingt zu einer aussichtslosen Aufholjagd mit einem untauglichen Gehirn.

Nur noch Basis-Schichten aktiv

Basis-Schichten allein liefern zu wenig Qualität, um auch nur ordnungsgemäßes, geschweige denn hochwertiges Verhalten zu realisieren.

Dafür aber ziehen sie im Kampf ums seelische Überleben alle noch verfügbare seelische Energie auf sich.

Elementare, auch gewalttätige Verhaltensweisen können sich immer leichter durchsetzen.

Der grenzwertige Stresszustand bringt den Organismus aus seiner normalen Funktion: Kreislauf, Stoffwechsel, alles läuft auf Notbetrieb, auch das Immunsystem. Die Software ruft weitere Werkzeuge auf den Plan, denn es geht nun um die Existenz.

Die Wahrnehmung trifft es als erste: Die Software modifiziert diese bereits im Normalfall aufgrund eigener Interessen und Erfahrungen:

Mit bohrendem Hunger nehme ich nur noch Essbares wahr, die Erinnerung liefert wie von Geisterhand die möglichen Orte und Gelegenheiten, um an Nahrung zu kommen, der gestiegene Stresspegel sorgt dafür, dass die Nahrungssuche konzentriert und mit dem nötigen Nachdruck vonstattengeht.

Im schweren Defizit handelt es sich nicht mehr um eine begrenzte „Modifikation“ der Realität, sondern eher um eine Fälschung bis hin zur völligen Illusion und Vorspiegelung einer Scheinrealität. Der Betroffene zieht sich in eine „eigene Welt“ zurück, einen „Kokon“, der ihn vor der harten Realität bewahren soll. Sein Lebensrisiko ist hoch, da er sich nicht mehr an der Wirklichkeit, sondern seiner Illusion orientiert: Ein erster Schritt zur Selbstbeschädigung.

Corona: Gerade Menschen mit bereits niedrigem seelischem Pegel und auch deshalb kritischer Haltung zu Gesellschaft und Staat wurden durch die überwältigend empfundene Bedrohung, durch Vorschriften und die Einschränkung ihrer Sozialkontakte über Nacht in ein schweres seelisches Defizit geworfen.

Der seelisch Ausgeglichene wird bereits von sich aus alles tun, um sich und andere zu schützen und die Wahrscheinlichkeit einer Infektion zu minimieren. Er wird sich impfen lassen, Maske tragen, Abstand halten und kritische Kontakte meiden, wie es bekannt und empfohlen ist.

Im schweren Defizit hingegen greifen Ängste um sich, Verstand, Vernunft, soziale Verantwortung und Realität gehen verloren, es ist kein vernünftiges Gespräch mehr möglich. Wie im Mittelalter setzt sich das zwangsläufige und unbewusste Programm „Sündenbock“ bis hin zum „Verfolgungswahn“ in Gang:

Es ist die machtgierige Regierung selbst, die mit ihren Maßnahmen gegen Corona, was es vielleicht gar nicht gibt, die Freiheit der Bürger einschränken will und ihrerseits von finsteren Mächten gesteuert wird, die die Weltherrschaft anstreben und im Untergrund schrecklichste Verbrechen begehen: Verschwörungstheorien und Teufelsglauben.

Auch das Urprogramm „Gewalt und Machtausübung“ verteidigt aggressiv unsinnigste „Überzeugungen“, deutet Polizisten als Handlanger eines „Unterdrückungsstaates“ und nimmt sich das Recht, diese in „Notwehr“ körperlich anzugreifen.

Anhänger und Verbreiter von Verschwörungstheorien fallen diesen unbewussten Urprogrammen anheim, die bei hoher Verunsicherung die Vernunft blockieren und soziales Verhalten herunterfahren.

Allerdings sollte man jedem Menschen zugutehalten, dass ihn seine Software bei kritischem seelischem Defizit auch mit den skurrilsten Illusionen und unsinnigsten Verhaltensweisen davor zu schützen versucht, mit einer hilflos überfordernden Realität konfrontiert zu werden und womöglich in eine Depression abzugleiten.

Eine weitere Vorspiegelung der eigenen Software betrifft den Glauben an eine helfende Instanz. Ob nun Gott, Guru, Esoterik oder Globuli, wenn im schweren seelischen Defizit so gar keine Aussicht auf Rettung mehr zu bestehen scheint, muss die Software eben eine fiktive Unterstützung vorspiegeln.

Gerade der Gottesglaube ist dabei als fester Programmteil der Software jedes Menschen anzusehen, um in grenzwertigen seelischen Mangelsituationen Unterstützung und damit einen seelischen Zufluss zu simulieren.

Gott wohnt nicht im Himmel, er ist als Rettungsanker in uns, in grauer Vorzeit bereits fest programmiert und bei grenzwertigem seelischem Pegel in Szene gesetzt.

Am wirksamsten die Illusion als väterliche Figur, bei der der Bedürftige unterschlüpfen und sich geborgen fühlen kann. Im Sturm auf hoher See fühlt sich selbst der Ungläubigste in „Gottes Hand“.

Der von der Software inszenierte Glaube an eine helfende Instanz wird in seiner stützenden Wirkung drastisch verstärkt, wenn auch Andere oder gar eine Vielzahl derer die gleiche Vorspiegelung erfahren und aus der kollektiven Illusion eine religiöse Bewegung mit eigenen Grundsätzen und Regeln entsteht.

Diese Vorspiegelung wirkt so echt, dass man sogar versucht ist, einen Handel zu machen: Wenn ich durch Einhalten religiöser Vorschriften so viel Opfer bringe, ist es dann nicht Gottes Pflicht, mich mit irdischem oder wenigstens jenseitigem Wohlergehen zu belohnen?

Ist die Opferung von tausenden Gefangenen immer noch nicht genug, dass die Götter es endlich regnen lassen?

Aus dem seelischen Defizit wäre nur mittels Vernunft und Denken in die Zukunft hinein der leider inaktivierten oberen Denkebenen herauszukommen. Ein weit abgesunkener seelischer Pegel erlaubt es höchstens noch, mit den verbliebenen unteren Ebenen rückwärts gewendet Halt in der Vergangenheit zu suchen.

Keine fortschrittlichen Gedanken in geistiger Freiheit, keine Strategie für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit, stattdessen alte, überholte und festgebackene Glaubens-Konstrukte, was man angeblich soll oder nicht soll.

Wir wissen ja: Der niedrige Pegel macht überempfindlich: Bereits kleine Unterschiede in der Auffassung des Glaubensmittelpunkts führen dazu, die eigene Sicht in aggressiver bis militanter Form gegen „Ungläubige“ zu verteidigen.

Allen Strömungen gemeinsam ist die Bekämpfung von Zweiflern oder gar Leugnern, die es wagen, Menschen im schweren seelischen Mangel diesen Überlebensanker infrage zu stellen.

Die geistige Kapazität reicht nicht aus, sich selbst Regeln und Grundsätze zu erarbeiten, die den aktuell anstehenden gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen wie auch der Situation der Umwelt angemessen Rechnung tragen könnten.

Als stets auch bewusst abrufbares Urprogramm kann das Werkzeug „Glaube“ auch in guter seelischer Verfassung in kritischen Situationen allzu drastische Abflüsse puffern, Panik verhindern und den gesunden Menschenverstand zumindest teilweise aufrechterhalten: Gott hilft und alles wird gut.

Auch die Globuli der Homöopathie sprechen diesen tief verankerten Programmteil der Software unmittelbar an und bewirken einen Zufluss seelischer Energie selbst dann noch, wenn man „eigentlich“ gar nicht daran glaubt.

Und mit dem höheren Pegel springt eben auch das Immunsystem an.

Der Verstand, der dagegen argumentieren könnte, ist in dieser kritischen seelischen Lage längst außer Funktion. Daher erscheint es fraglich, über Einbildung, Placebo-Effekt, Sinn oder Unsinn der Homöopathie vom grünen Tisch aus zu urteilen:

Wissenschaftlich nicht nachweisbar, wenn man versäumt, den seelischen Status zu berücksichtigen.

Das geht auch umgekehrt: Impfgegner leiden nach einer unfreiwilligen Impfung gegen Corona unter weit mehr Nebenwirkungen als Impfbefürworter.

Sobald der seelische Pegel tief genug gefallen ist, treten zwangsläufig diese Urprogramme auf den Plan mit dem Ziel, die seelische Lage zu stabilisieren.

Haben alle diese, von der Software automatisch in die Wege geleiteten Rettungsmaßnahmen den seelischen Pegel nicht wieder anheben können, läuft alles auf die sehr elementare Entscheidung hinaus, wie es in einer Situation völliger Überforderung und Aussichtslosigkeit überhaupt weitergehen soll:

Sich totstellen und so tun, als ob nichts wäre? Kapitulieren und sich der Situation ohne weitere Gegenwehr ergeben? Sich drücken, aus der Affäre ziehen und so schnell wie möglich irgendwo hin flüchten? Oder die letzten Reserven mobilisieren und mit Zähnen und Klauen den Kampf aufnehmen? Sich mit aggressivem Verhalten sogar in eine Machtposition bringen und seinerseits Macht ausüben?

Bei steigendem Alkoholpegel zeigt sich die seelische Abwärtsspirale und die wachsende Neigung zu Gewalt deutlich: Erst alles normal, plötzlich Wortgefecht, Streit, aufstehen, schubsen, schließlich zuschlagen, um die Oberhand zu gewinnen.

Denn nun holt die in Nöte geratene Software weitere, höchst effiziente Werkzeuge aus ihrem Repertoire hervor, nämlich Aggression und Ausübung von Macht:

Schluss damit, mich mit einer Situation abfinden zu müssen, die mir zu wenig seelische Energie einbringt, ab jetzt bestimme ich die Regeln, die mir genehm sind!

Das Ideal: Nicht selbst mühsam seelische Energie erarbeiten, sondern sich diese durch Untergebene erarbeiten lassen. Diese geben einen Teil ihrer Selbstbestimmung und seelischen Energieproduktion an den Machthaber ab, indem sie sich nach dessen Wünschen richten und die ihrigen dafür zurückstellen.

Der Bauer verfügte nicht über Grund und Boden, hatte eine Steuer zu entrichten, durfte nicht jagen und lebte durch weltliche und religiöse Vorschriften mit erheblichen Einschränkungen. Dieser Aderlass floss Adel und Kirche zu.

Bereits jemanden zurechtzuweisen, ist Machtausübung, die dem Zurechtgewiesenen seelische Energie raubt und dem Machthaber zufließen lässt. Sinnloses Überholen, um seine Überlegenheit zu zeigen, hat die gleiche Wurzel.

Machtstrukturen sind nötig, um einen Staat oder eine Firma zu strukturieren und damit lenkbar zu machen. Aufgabenteilung oder Kooperation entsteht, wenn der Machthaber Verantwortung für sein Tun übernimmt und bei Fehlverhalten sanktioniert oder seines Postens enthoben wird.

Eine eigene Spezies bilden daher Machthaber, die in eine unkontrollierte Machtposition gelangt sind, die sie durch den Einsatz von Unterdrückung und Gewalt weiter ausbauen, denn diese unterliegen einer besonderen Dynamik: Sie laden Schuld auf sich und haben berechtigte Angst davor, einmal entmachtet und zur Rechenschaft gezogen zu werden. Es entsteht der Zwang, seine Machtposition notfalls auch ohne jede Rücksicht aufrecht zu erhalten.

Der Machthaber hat keine Wahl: Wachsende Ängste müssen durch Machtzuwachs kompensiert werden, dies umso schneller, je weniger Gegenwehr es gibt: unbegrenzt weiter und weiter: Die Widersacher im eigenen Volk, der kleine Nachbar, der große Nachbar, die Weltherrschaft, die Allmacht…

Kritisch für jeden Machthaber ist der Punkt, an dem sein Seelenkonto kippt: Eines Tages ist der seelische Abfluss infolge seiner Verlustängste größer als die Einkünfte aus der Machtausübung selbst. Es geht dann schnell seelisch abwärts.

Durch Ängste getrieben und mit grenzwertig niedrigem seelischem Pegel hält sich der Machthaber krampfhaft an seinen unrealistischen Vorstellungen fest, hört auf keine oder willfährige Berater, verliert Realität und Überblick, macht Fehler nach Fehler und fühlt sein Scheitern auf sich zukommen.

Ängste vor finsteren Umtrieben werden übermächtig und ohne Drogen kaum mehr beherrschbar, niemand ist mehr zu trauen bis hin zum Verfolgungswahn, wie geschichtliche Beispiele z.B. Stalin, zeigen.

Die Frage liegt nahe: Gehört auch die Bereitschaft zum Gebrauch von Drogen zu diesen „Rettungsprogrammen“? Dafür spricht, dass ein abgesunkener seelischer Pegel völlig genügt, Drogen als seelische Stütze in Anspruch zu nehmen, ungeachtet dessen, sich selbst damit zu schaden. Die Rettung im kritischen Moment ist wichtiger.

Drogen begleiten die Menschheitsgeschichte. Ein kleiner Dämpfer, gleich eine geraucht…

Die unbewusst in Aktion tretenden Hilfsprogramme sind darauf angelegt, den Menschen bei kurzfristigen seelischen Einbrüchen vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Auf Dauer und ohne Verstandeskontrolle sind sie für alle und alles höchst schädlich.

Längerfristig gesehen braucht daher ein Mensch im schweren seelischen Defizit professionelle Hilfe. Aber er hält sich doch für normal! Warum sollte er Hilfe annehmen? Und wäre er auch ehrlich? Oder will er nach wie vor eigene Fehler, die ihn in diese Situation gebracht haben, nicht zugeben und täuscht eine Figur vor, die er gar nicht ist?

Wie hilfreich wäre da eine persönliche KI, die weiß, wie der Mensch allgemein in allen seinen Facetten tickt, aber auch genügend Erfahrungen mit ihrem speziellen Menschen gesammelt hat, um ihm die Realität wieder nahezubringen und ihm als „mentales Exo-Skelett“ Ersatz für den schwindenden Verstand zu bieten.

Eine persönliche KI wäre immun gegen Stimmungen und Emotionen, könnte unbehelligt von lästigen Antrieben wie Stolz, Überheblichkeit, Rache, usw. Lösungen vorschlagen und als „mentale Assistenz-KI“ dabei helfen, Realität herzustellen, anstehende Projekte trotz eingeschränkter eigener Performance professionell abzuwickeln und seelisch wieder aufzusteigen.

Eine solche persönlich-vertrauliche KI wäre ganz besonders vor Ausspähung und Missbrauch zu schützen.

Fazit: Im schweren seelischen Defizit und daher hohem Stresspegel aktiviert die Software fest verankerte und nur noch schwer mental zu kontrollierende Urprogramme wie „Glaube“, „Sündenbock“ oder „Macht“, um – koste es, was es wolle – den weiteren seelischen Niedergang aufzuhalten.

Eine auf den jeweiligen Menschen zugeschnittene, individualisierte KI könnte bereits im Vorfeld eine stabilisierende Wirkung ausüben, indem sie bei sinkendem seelischem Pegel als „persönliche Assistenz-KI“ und individueller Ratgeber dient.

Dies war Teil 5 aus der Reihe Mensch 2.0. Lesen Sie gerne auch die restlichen Beiträge aus der Reihe.

 

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