Künstliche Intelligenz als öffentliches Gut
Titelbild: KI-generierte Illustration, erstellt mit ChatGPT (OpenAI), 2026
Bernie Sanders hat im Juni einen Artikel in der Zeitschrift „New York Times“ veröffentlicht, in dem er fordert, KI als öffentliches Gut anzusehen, das zur Hälfte der Bevölkerung gehören sollte: https://www.nytimes.com/2026/06/01/opinion/artificial-intelligence-bernie-sanders.html
Bernie Sanders ist im US-amerikanischen Senat der Senator aus Vermont. Seine Idee ist zweifellos ein bisher viel zu wenig diskutierter Ansatz. Dafür bin ich ihm dankbar.
Er schlägt vor, dass die US-Firmen die Hälfte ihrer Aktien dem amerikanischen Volk vermachen, damit es den verdienten Profit aus ihrer Arbeit bekommt. Schließlich haben die Menschen die Texte verfasst, die zum Training von KI benutzt wurden. Solches wird wohl schon länger in USA diskutiert.
KI wird die Welt, also jeden Menschen und unsere Umwelt tiefgreifender verändern als jede andere Technik vorher. Er hat auch die Sorge, dass KI am Ende eigenständig handeln könnte.
Er fragt: wem wird die Zukunft gehören? Wer wird sie kontrollieren? Wird sie unsere Lebensqualität verbessern – oder wird sie von einer Handvoll Milliardären bestimmt werden?
Für ihn ist klar: KI wurde aus unseren Büchern, Texten, Programmen, Bildern und Ideen generiert, also aus unseren kollektiven Erfahrungen trainiert. Und diese wurde ohne unsere Erlaubnis dazu verwendet und macht die Millionäre noch reicher durch die so entstehenden Gewinne.
Wenn diese Gewinne zur Hälfte in einen Staatsfond gehen, könnten wir alle dadurch einen besseren Lebensstandard bekommen. Eigentlich doch eine gute Idee? Oder?
Kurz gesagt meint er: Wenn eine öffentliche Ressource Wohlstand schafft, sollte die Öffentlichkeit an diesem Wohlstand teilhaben. Aber man kann das auch kritisch sehen:
Zunächst hat er die USA im Sinn, also einen US-amerikanischen Staatsfond. Dieser würde von den Texten aus der ganzen Welt profitieren. Ist das wirklich gerecht?
Die öffentlichen Texte, Bilder und Ideen wurden von Menschen erstellt, die sie der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt haben. Können oder sollen öffentliche Texte wie Eigentum von Menschen behandelt werden? Sind sie nicht – wenn überhaupt – eher Eigentum der Öffentlichkeit?
Diese Idee gilt allerdings nur für einen Teil der KI, nämlich für die LLM’s, die mit Texten und Bildern trainiert werden. Für eine KI, die z.B. die Faltung der Proteine in den Lebewesen beschreibt, gilt sie nicht. Damit wird die Medizin vorangebracht. Sie gilt auch nicht für eine KI, die die Wartungszyklen von Maschinen festlegt. DAs unterstützt die Fuinktionsfäigkeit der Maschinen. Und sie gilt schon gar nicht für die KI in den künftigen Haushaltsroboter, die von den Familien (weiter-) trainiert werden. Da lassen sich noch viele weitere Beispiele aufzählen, darunter auch die selbstfahrenden Autos.
Aus unserer Sicht ist es mindestens ebenso dringend, die Menschen auf die aufkommende Revolution (frz. = Umwälzung) vorzubereiten, die auf unsere Arbeitswelt zukommt: Künftig wird KI – in welcher äußeren Form auch immer – für uns alle Arbeit machen. Was machen wir Menschen dann?
Noch können wir mitbestimmen – wie lange noch?
Daher sollten wir uns nicht nur schlau machen, sondern möglichst gute und brauchbare Vorschläge entwickeln, wie wir damit umgehen. Einige wenige Milliardäre können das nicht allein, zumal sie eher ihr eigenes Wohlbefinden im Kopf haben als das der Bevölkerung.
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