Koevolution

Koevolution

Derzeit entwickelt sich die Technik für die künstliche Intelligenz rasant schnell weiter. Alle paar Monate kommen neue bahnbrechende Entwicklungen auf den Markt. Neuestes Beispiel ist ChatGPT, das erstaunlich gute Texte zu vorgegebenen Themen verfassen kann. Weitere bahnbrechende Beispiele werden folgen.

Forderungen kommen auf, die KI zu regulieren. Europa ist Vorreiter und teilt die KI in Risikostufen ein, die geprüft und genehmigt werden müssen, bevor sie zum Betrieb zugelassen werden. Befürchtungen werden formuliert, dass eine hochentwickelte KI den Menschen die Herrschaft wegnehmen könnte.
Auch wenn ich das so bald nicht für wahrscheinlich halte, weil eine KI immer die ihr vorgegebenen Ziele verfolgt. Und wenn wir ihr nicht das Ziel vorgeben und sie darauf trainieren, die Herrschaft über die Menschheit zu übernehmen, macht sie das auch nicht. Dennoch wird uns alle dies doch nachhaltig beeinflussen. Angestammte Arbeitsplätze werden wegrationalisiert oder ändern ihren Charakter. Und unsere Gesellschaft wird sich verändern und wir damit auch. 

Wenn wir zunächst KI-Anwendungen verwenden, die uns „nur“ unterstützen und sich das als sehr hilfreich erweist, werden wir der KI mehr und mehr vertrauen und uns auf sie verlassen. Und wenn sie dann doch mal einen Fehler macht, werden wir es nicht mehr bemerken. So verlernen wir, die KI wirklich zu beherrschen.
Noch ein Beispiel: KI kann derzeit schon Texte vorlesen. Wir müssen bald nicht mehr lesen können. KI kann unser gesprochenes Wort in Texte wandeln. Wir müssen bald auch nicht mehr schreiben können. KI kann derzeit schon einfache Rechenaufgaben lösen und wird bald noch viel besser rechnen können. Wir müssen dann nicht mehr rechnen können.

Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir dafür neue Fähigkeiten entwickeln und lernen, spezielle Aufgaben zu lösen, die die KI jeweils noch nicht lösen kann. Es werden genug Aufgaben für Menschen übrig bleiben.
Wir werden uns gegenseitig ergänzen und beide „Arten“ – KI und Menschheit – werden sich weiterentwickeln.
Damit dies zu unserem Nutzen gelingt, sollten wir der KI die Beachtung unserer Werte zum Ziel setzen.

Werte, die wir im täglichen Leben ganz selbstverständlich beachten, machen unsere Moral aus.
Wenn wir in eher seltenen Fällen unsere Werte gegeneinander abwägen müssen, nennen wir das die Ethik.

Aber was sind denn unsere Werte? Unsere Werte sind evolutionär entstanden und viele davon werden mit unserer DNA in Form von Wünschen vererbt. Beispiele: Gutes Essen, schöne Menschen, Empathie (durch unsere Spiegelneuronen), Kooperation, Führen und geführt werden, Abenteuerlust, Selbstverwirklichung, etc…

Nicht alle sollten wir der KI oder in Roboter einbauen. Braucht ein Roboter gutes Essen? Naja – er braucht Energie – aber eben in Form von Strom, um seine Batterie aufzuladen. Sollte ein Roboter sich selbst verwirklichen können? Sollte ein Roboter Abenteuerlust verspüren?
Ein Roboter sollte Empathie haben – aber nur mit uns Menschen. Bauen wir ihm Spiegelneuronen ein!
Ein Roboter sollte kooperieren – auch mit anderen Robotern, aber vor allem mit uns Menschen.
Ein Roboter sollte sich führen lassen. Vielleicht sollte er auch manchmal führen können.

Es macht Sinn, den Robotern nur solche Werte beizubringen, die uns Menschen nützen.

Daraus wird ersichtlich, dass in die KI und ihr Anwendungsfeld in den Robotern nur solche Werte eingebaut werden, die unsere menschlichen Erwartungen oder Werte ergänzen. KI und Roboter werden uns Menschen ergänzen und wir werden uns gemeinsam weiterentwickeln – noch lange gesteuert von den Menschen.

Das meine ich mit Koevolution.

Über den Autor

Michael Mörike

Michael Mörike ist seit 2008 ehrenamtlich als Vorstand in der Integrata Stiftung tätig.

Als Informatikpionier führte er bereits während seines Studiums Projekte in der EDV durch. So richtete er beispielsweise 1969 Prozessrechner für die Uni Tübingen ein. Zwischen 1978 und 2000 war Michael Mörike in der Geschäftsführung verschiedener Unternehmen tätig (GDV 4 Jahre, Integrata 14 Jahre, itm AG 4 Jahre) bevor er zur Jahrtausendwende in den Stand des Freiberuflers wechselte. Als Projektleiter hat er so renommierte Projekte wie BTX und NIVADIS geleitet.

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