Weihnachtsgeschenke: Merry Christmas mit Alexa?

Was Sie beachten sollten, wenn Sie digitale Assistenten wie Alexa oder Siri zu Weihnachten verschenken wollen. Ein kleiner Ratgeber zum Fest.

von Georg Ludwig Verhoeven

In dem Film „A Christmas Story“ (deutsch: Fröhliche Weihnachten“) von 1983 wünscht sich der kleine Ralphie ein Luftgewehr zu Weihnachten. Der Wunsch wird von Eltern, Lehrerin und der gesamten Erwachsenen-Umgebung mit der Killerphrase „You’ll shoot your eye out, kid!“ niedergeschmettert. Dank des Vaters liegt das Gewehr dann doch unter dem Weihnachtsbaum, und Ralphie kann kaum erwarten, es auszuprobieren. Er schießt sich zwar kein Auge aus, stolpert aber durch den Rückstoß so unglücklich, dass ihm die Brille von der Nase fällt und er sie zertritt. Irgendwie ist also die böse Prophezeihung doch in Erfüllung gegangen, wenn auch anders und harmloser als erwartet.

Auf vielen Wunschzetteln dürfte dieses Jahr Amazons digitaler Assistent „Alexa“ bzw. „Echo“, das zugehörige Sprachein- und -ausgabesystem, stehen – vielleicht auch vergleichbare Produkte von Google, (OK, Home), Apple (Siri) oder Microsoft (Cortana). Alexa erlaubt es, die Lieblingsmusik zu spielen, ein Taxi zu rufen, Produkte zu bestellen (bei Amazon), sich an Termine erinnern zu lassen und inzwischen können über Alexa auch kompatible Produkte gesteuert werden – Steckdosen, Lichtschalter, Garagentor, Staubsauger. Es werden täglich mehr. Und eigentlich ist das doch ganz nützlich – oder?

Alexa hört immer mit

Bevor man auf den „Jetzt kaufen“ – Button drückt, sind ein paar Überlegungen sinnvoll: Zum einen muss man sich klarmachen, dass Alexa im Prinzip immer mithört und das Gehörte auswertet. Wenn es ein einfacher Befehl ist wie „Licht an“ oder „spiele die Weihnachts-CD von Bing Crosby ab“, dann ist das harmlos. Wenn es aber eine Bestellung über teure Produkte ist, dann wird es schon problematischer. Und was Sie abends mit Ihrem Partner besprechen, soll sicher ihr Geheimnis bleiben. Theoretisch wird Alexa über Codeworte ein- und ausgeschaltet, und das funktioniert auch. Aber wer hat nicht schon einmal den Herd angelassen, den Schlüssel von innen in der Tür steckenlassen – oder saß plötzlich vor einem Programm, das sich nicht mehr stoppen ließ?

Vor allem die heute junge Generation geht sehr selbstverständlich und bewusst mit den modernen Technologien um, oft aber auch unbekümmert. Man sehe sich nur die Fotos und Texte an, die täglich in sozialen Netzwerken wie Facebook und Co. öffentlich gepostet werden. Dieses Verhalten spielt einem System wie Alexa in die Karten. Wenn Alexa alles mithört, was im Hause vor sich geht, kann sich Amazon daraus zusammenreimen, bei welchen Produkten es sich lohnt, passende Produktinformationen zu platzieren. Aber wo ein IT-System ist, wird es früher oder später auch gehackt – und dann weiß der Bösewicht, wer wann wohin unterwegs ist, wann die Zeit zum Einbruch am günstigsten ist und wie die im Haus Wohnenden am besten zu erpressen sind.

Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen lesen

Wer sich also überlegt, Alexa / Echo oder ein Konkurrenzprodukt auf den Gabentisch zu legen, sollte sich darüber im Klaren sein, was damit alles schon heute möglich ist und in naher Zukunft möglich sein wird. In jedem Fall sollte man bei der Geschenkauswahl auch kritische Stimmen zu Wort kommen lassen, zum Beispiel die Verbraucherschutzzentralen. Es lohnt sich, die umfangreichen Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen zu lesen und zu verstehen. Man wird feststellen, dass sich die Anbieter hier sehr weitgehende Rechte an allem Gehörten einräumen lassen und Verantwortung ablehnen, soweit das eben möglich ist. Die gesammelten Daten liegen auf Amazon-Servern und damit häufig außerhalb Deutschlands, sodass die Durchsetzung deutschen Datenschutzes schwierig oder ganz unmöglich ist, und last but not least behalten sich die Anbieter auch vor, den Service zu ändern oder einzustellen.

Der Weihnachtsmann wusste früher vieles über uns, weil es in seinem „Goldenen Buch“ stand – wie war es da nur hineingekommen? Bei Alexa und Co. wissen wir es bzw. sollten es wissen.

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