Führung im digitalen Zeitalter

Zur Vergabe des Wolfgang-Heilmann-Preises 2017: Jurymitglied Christiane Eckardt über Kompetenzen und Entscheidungsgewalt von heutigen Führungskräften.

von Christiane Eckardt

Wir haben auf der Learntec 2018 den Wolfgang-Heilmann-Preis an Barbara Liebermeister und ihr Team vom Institut für Führungskultur im digitalen Zeitalter, IFiDZ, vergeben. Das Kernfrage des Preises, Führung im digitalen Zeitalter, war während der gesamten Preisausschreibung sehr präsent, auf Messen und in Vorträgen – und natürlich kam auch auf der Learntec-Messe mit diversen Rednern die Frage nicht zu kurz.

Überall dort, wo Führung thematisiert wird, ob in Unternehmen, im Non-Profit-Bereich oder in der Politik, kann man mehrere starke Themenfelder identifizieren. Zwei wesentliche Themenfelder davon sind: Kompetenzen von Führungskräften und holokratische /demokratische Strukturen. Zu den Kompetenzen einer Führungskraft im Sinne der Personalführung wird viel geschrieben, was als neu betrachtet wird, aber nicht grundlegend neu ist: Sie sollten Wertschätzung für Mitarbeiter haben und diese auch ausdrücken, Empathie besitzen, Konfliktfähigkeit im Sinne von Konfliktregelung bezeugen, Kommunikationsfähigkeit beweisen, Umgang mit Diversität schätzen und vernetzt denken – dann klappt das auch mit der Führung über Distanz und bei agilen Arbeitsweisen (was es vor 30 Jahren so kaum gab).

Doch die Kompetenzen einer Führungskraft im strategischen Bereich der Führung haben sich wegen der schnelleren Taktung und der Digitalisierung stärker verändert und das führt oft zu Missverständnissen in Bezug auf Personalführung, wo die „alten“ Tugenden auch zu den neuen gehören. Ich finde es immer befremdlich, wenn auf „altes“ Führungsverhalten referenziert wird, ohne das zu definieren oder zu beschreiben. Ich kenne schon seit vielen Jahren ein Führungsverhalten, das vieles von dem beinhaltet, was heute gebraucht wird – und sicher gibt es schlechte Führung – im Mittelalter und heute, branchenabhängig und situationsabhängig.

Es gibt immer noch Situationen (z.B. bei der Gefahrenbewältigung), in denen man nicht lange diskutieren kann. Da ist eine schnelle, autoritäre Entscheidung besser als eine zu späte Konsensentscheidung. Es gibt immer noch Situationen, da gefährdet man den Prozess und eventuell das Geschäft, wenn man den Prozess jedesmal kreativ neu gestalten wollte oder agil verändern wollte. Es gibt aber auch viele Situationen, in denen Führung eher Moderation sein muss, in denen das „Empowerment“ der Mitarbeiter das Mittel der Wahl ist und Situationen, in den Führungskräfte nicht mehr verstehen, was ihr Mitarbeiter im Detail tun und sie ihnen die Entscheidungen überlassen müssen. Wichtig ist dann, dass eine Führungskraft erkennt, welches Verhalten in welcher Situation das beste ist. Diese Ambidextrie von Führungskräften scheint mir da eine wichtige Kompetenz zu sein, die stärkere Bedeutung bekommen hat bzw. bekommen sollte.

Mit der Übergabe des Wolfgang-Heilmann-Preises ist das Thema Führung im digitalen Zeitalter sicher noch nicht beendet. Aber wir sollten diese Diskussion weiter führen.

Über die Autorin

Christiane Eckardt ist Kuratoriumsmitglied der Integrata-Stiftung.

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