Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (Hrsg.): Telearbeit für behinderte Menschen

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (HG.): Telearbeit für behinderte Menschen, mit Beiträgen des Projektteams der D.I.A.S. GmbH, Hamburg (Sigrun Goll, Thomas Lilienthal/Leitung, Michael Zapp). Hamburg 1997. 128 S. ISSN 0174-4992.

Themen: Arbeitsmarkt, Arbeits- und Tarifrecht, Autonomie und Souveränität, Behinderte, Förderung, neue Selbständigkeit, Qualifikation, Selbstdisziplinierung/Arbeitseffektivität, soziale Isolierung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Zeitsouveränität.

Abstract
Dieser Forschungsbericht ist eine Bestandsaufnahme zur Frage der Telearbeit von Behinderten, schildert Fallbeispiele und gibt weiterführende Hinweise und Adressen.

Inhaltsverzeichnis
1. Hilfestellungen zur praktischen Einführung von Telearbeitsplätzen für behinderte Menschen (9-64)
2. Fallbeispiele (65-76)
3. Selbstdarstellung von Projekten (77-108)
4. Kontakte und Materialien (109-128)

Bewertung
Besonders hilfreich an diesem Bericht ist die genaue Unterscheidung zwischen allgemeinen Problemen und behindertenspezifischen Fragestellungen.

Inhalt

1. Hilfestellungen zur praktischen Einführung von Telearbeitsplätzen für behinderte Menschen
Entgegen der weitverbreiteten Annahme, daß „neue Arbeitsplätze für Behinderte“ ein besonderer Vorteil der Telearbeit (TA) ist, fällt die Zahl der behinderten TelearbeiterInnen im Jahr 1997 noch sehr gering aus. Ausgehend von der Überzeugung, daß TA eine „bedeutende Arbeitsform“ werden wird, ist es Ziel des Forschungsberichts eine Bestandsaufnahme zu präsentieren und Hilfestellung bei der Einrichtung von Telearbeitsplätzen zu geben.
Zunächst untersucht der Bericht die Behinderungsformen und ihre Eignung für die TA. Daran schließt sich eine Auflistung der behindertenspezifischen Chancen (neue Beschäftigungsmöglichkeiten, Wegfall mühseliger Arbeitswege, flexible Arbeitszeitorganisation und berufliche Mobilität bei gleichzeitiger Beibehaltung örtlicher Bindungen) der TA. Andere Vorteile gelten ebenso für nichtbehinderte TelearbeiterInnen (produktiveres und selbständiges Arbeiten, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, neue Selbständigkeit). Ähnlich verhält es sich mit den Risiken (soziale Isolation, Verlust von Integration und Qualifikation, Leistungdruck, Ausschluß von Informationen, geringere Karrierechancen, beschränkte Durchsetzung von Arbeitsschutzrechten, Einschränkungen bei betrieblichen Sozialleistungen, Auflösung konventioneller betrieblicher Beschäftigungsverhältnisse), wobei behinderte TelearbeiterInnen grundsätzlich mit den gleichen Schwierigkeiten zurecht kommen müssen, wie andere ArbeitnehmerInnen auch. Als zusätzliche Vorteile für den Arbeitgeber werden die Sicherung von Erfahrung und Know-how, die Auslagerung von Arbeiten sowie die Erfüllung gesetzlicher Quoten genannt. Neben Vor- und Nachteilen der verschiedenen TA-Organisationsformen diskutieren die AutorInnen auch die Eignung verschiedener Berufe und Tätigkeiten.
Technische Hilfen für EDV-Arbeitsplätze und unterschiedliche Behinderungen werden ebenso aufgelistet, wie die Förderungsmöglichkeiten für Arbeitgeber, Schwerbehinderte und Ausbildungs- und Modellprojekte. Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden vor dem Hintergrund genereller rechtlicher Aspekte von TA erörtert.
Die Frage nach den notwendigen Qualifikationen betrifft aber nicht nur behinderte TelearbeiterInnen. Vier Qualifikationsebenen werden genannt: Umgang mit IuK, berufliche Grundlagenqualifikationen, Schlüsselqualifikationen zur Bewältigung der Anforderungen qualifizierter Formen von TA (rascher Anforderungswandel, selbständige Arbeitsweise) sowie kaufmännische und rechtliche Kenntnisse, die Voraussetzungen für selbständige oder freiberufliche Tätigkeit sind. Wenn auch keine besonderen Qualifizierungserfordernisse gegeben erscheinen, ist die Beherrschung von Eingabenhilfen notwendig, was mitunter mit einem erheblichen Trainingsaufwand verbunden sein kann.
Es schließen sich die Ergebnisse einer schriftlichen Befragung von behinderten TelearbeiterInnen und TelelernerInnen an. Bei den Schwerstbehinderten ist TA oft die einzige Chance der beruflichen Integration. Negative Erfahrungen sind eine Folge der fehlenden Kontakte zu KollegInnen und Vorgesetzten, von Vorurteilen bei Arbeitgeber und Vorgesetzte sowie von Problemen mit der Technik.
Perspektivisch sehen die AutorInnen die Notwendigkeit die Rahmenbedingungen zu verändern. Als Eckpunkte identifizieren sie folgende Maßnahmen: Erweiterung von Ausbildungsprogrammen, behindertengerechte Gestaltung von IuK-Technik, Initiierung von Modellprojekten für Schwerstbehinderte, Schaffung eines integrierten Informations- und Kommunikationsdienstes für behinderte TelearbeiterInnen der gezielten Austausch ermöglicht, Anpassung des bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Instrumentariums, da generell ein immanenter Trend zur Auflösung von Betriebsstätte und abhängigen Beschäftigungsverhältnissen konstatierbar ist, und damit einer wesentlichen Grundlage der bisherigen Rechts- und Arbeitsmarktpolitik tendenziell der Boden entzogen wird.

2. Fallbeispiele
Die Fallbeispiele ausgewählter behinderter TelearbeiterInnen sind aus verschiedenen Perspektiven (Arbeitsamt, Hauptfürsorgestelle/Reha-Berater) und Qualifikationsebenen (EDV-Organisator Kreditinstitut, wissenschaftliche Angestellte, technischer Zeichner) verfaßt und verweisen auf positive wie negative Erfahrungen.

3. Selbstdarstellung von Projekten
Die elf Selbstdarstellungen und Erfahrungsberichte der TA-Projekte für behinderte Personen stammen aus der Feder von Mitarbeitern oder Leitern der befragten Einrichtungen und veranschaulichen die Vielfalt der möglichen Schwierigkeiten und die Breite der Lösungsansätze.

4. Kontakte und Materialien
Das Adressenverzeichnis enthält Angaben zu Personen und Institutionen, die bereit sind ihre Erfahrungen mitzuteilen. Die Zusammenstellung weiterführender Literatur gibt einen Überblick über die Hilfen für Behinderte im Beruf.

20.02.2001; KS