Papst und KI
Titelbild: KI-generierte Illustration, erstellt mit ChatGPT (OpenAI), 2026
Am Pfingstmontag, den 25. Mai 2026 hat der Papst seine Enzyklika zur KI öffentlich vorgestellt. Sie heißt offiziell Enzyklika „Magnifica Humanitas“, was „großartige Menschheit“ bedeutet.
Eine Enzyklika ist ein päpstliches Rundschreiben. Die meisten Päpste veröffentlichen im Laufe ihres Pontifikats mindestens eine Enzyklika – es gibt jedoch keine Pflicht dazu. Es entspricht der Regierungserklärung einer neu gewählten Regierung.
Die Enzyklika trägt den Untertitel „Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der KI“ und betont, dass KI einerseits eine wertvolle Hilfe sein kann, andererseits aber auch große Gefahren birgt. Sie betont, dass KI auf die menschlichen Werte ausgerichtet sein müsse. Andererseits dürfe die Moral nicht von einigen wenigen Unternehmern bestimmt werden. Der Papst fordert daher strengere Richtlinien für den Umgang mit KI, um die Menschen vor ausufernder KI zu schützen. Auch im Konfliktfall, z.B. in Kriegen, darf die Entscheidung über Tod oder Leben nicht der KI überlassen werden.
Die Integrata-Stiftung arbeitet seit über 25 Jahren genau für diese Werte. Das ist lange bevor KI in aller Munde war. Die päpstliche Enzyklika bestätigt unseren Ansatz auf höchster Ebene. Schließlich trifft es sehr gut, wofür wir uns einsetzen.
Warum beschäftigt sich ein Papst mit KI?
Er hat Mathematik, Philosophie und Theologie studiert und ist hochintelligent, was nicht auf alle seine Vorgänger zutrifft. Er sorgt sich daher insbesondere um die Zukunft seiner Klientel, also ca. 1,3 Milliarden Menschen, ca ein Sechstel der Menschheit. Das ist gut so.
Er sieht eine große Gefahr für die Menschen, wenn KI ohne ethische Überlegungen und ohne Moral einfach eingesetzt wird. KI ist kein traditionelles Werkzeug für die Hände wie ein Hammer oder eine Mühle, sondern ein Werkzeug des Verstandes, des Hirns oder des Geistes.
Die meisten unserer Werte sind angeboren und werden durch unsere Hormone gesteuert. Einige erlernen wir auch durch unsere Erziehung im Kindesalter. Letztere sind dann kulturell erworben. Unsere Werte wirken wie Ziele, denen wir nachgehen. Oft sind sie uns zunächst unbewusst. Wir können sie uns aber bewusst machen. Wir bearbeiten oder bewerten sie dann in unserem Hirn. Dort stehen sie für die Anwendung dann bereit.
KI kann uns per Internet zunächst unterhalten oder mit uns diskutieren. KI kann auch in Maschinen eingebaut werden und die Maschinen steuern. Das gilt selbstverständlich auch für Roboter. Und solche Roboter werden aktuell rasch billiger und werden in Kürze allgemein verfügbar sein. China wird Millionen davon demnächst exportieren – auch nach Deutschland. Sie werden dann unsere Arbeit machen und Millionen unserer berufstätigen Leute ersetzen. Sie können diese Arbeit deutlich billiger machen, als Menschen das jemals können.
Das wird in fünf bis maximal zehn Jahren so kommen. Dann werden Millionen Menschen arbeitslos. Es könnte sein, dass sie auf die Barrikaden gehen und massive gesellschaftliche Verwerfungen und sozialen Unfrieden schaffen. Ich nenne das einen Tsunami.
Was können wir tun? Wie könnten wir vorgehen?
Zunächst sollten wir uns immer bewusst machen, dass der Mensch in Zentrum stehen sollte. Die KI muss dem Menschen dienen. Der einzelne Mensch sollte im Zentrum / im Fokus stehen. Genau das fordert auch der Papst.
Dazu müssen wir der KI unsere Werte beibringen. Vielleicht müssen wir ihr nicht alle Werte beibringen. Zweifellos aber sollten wir ihr die meisten unserer Werte beibringen. Es sollten Zielvorgaben für das Handeln der KI sein.
Vielleicht sollten wir der KI auch nicht alle Arbeiten überlassen, sondern uns Menschen solche vorbehalten, die wir gerne machen, die uns also Freude bereiten?
Auf keinen Fall sollten wir der KI aber Ziele vorgeben, die unseren eigenen langfristigen Werten entsprechen. Dazu gehören zum Beispiel: Abenteuerlust, Neugier, etc. …
Und wir sollten uns Menschen weiterbilden, damit wir den Herausforderungen durch Einsatz der KI in unserer Gesellschaft gerecht werden können. Wir müssen uns also lebenslang weiterbilden. Dazu gehört nicht in erster Linie Wissen in unserem Hirn zu speichern, denn das kann KI wesentlich besser als wir. Wir sollten vor allem unsere Fähigkeiten verbessern zum Handeln und zum Umgang untereinander.
Dazu gehören vor allem auch folgende – weit in die Zukunft gerichtete – Beispiele:
- Wie kann man Konflikte vermeiden?
- Wie können wir den Raubbau an unserer Erde begrenzen?
- Was können wir aus der Natur lernen, z.B. auch, um sie auf den Mars zu exportieren.
Danach könnten wir sie von der Überlast durch uns Menschen vielleicht wieder befreien?
Um solche Regeln für die KI einzuführen, haben wir unser Werte-Manifest erstellt, das hier im Anhang nachzulesen ist:
Manifest für humanzentrierte KI und Robotik
Die folgenden Thesen formulieren grundlegende Anforderungen an den verantwortungsvollen Einsatz von KI und Robotik. Mit KI sind hier ausschließlich selbstlernende Systeme gemeint.
1 – "KI und Roboter brauchen klare Zielvorgaben."
Klare Ziele. Klare Verantwortung.
Je leistungsfähiger ein System wird, desto wichtiger wird Transparenz darüber,
- welche Ziele verfolgt werden,
- wer diese Ziele festlegt und
- wer Verantwortung trägt.
2 – "KI und Roboter sollen uns Menschen helfen und dürfen keine eigennützigen Ziele haben."
KI dient dem Menschen.
Technische Systeme sollen menschliches Leben unterstützen und verbessern.
Eigennützige autonome Zielsysteme dürfen nicht zum Leitprinzip technischer Entwicklung werden.
3 – "Ziele von KI und Robotern sollen dazu dienen, unser menschliches Leben zu verbessern."
Technik soll Lebensqualität verbessern.
Der Nutzen technologischer Systeme darf nicht ausschließlich an Geschwindigkeit, Gewinn oder Effizienz gemessen werden. Entscheidend bleibt die Frage, ob Technik menschliche Lebensqualität stärkt.
4 –„KI soll nicht einigen wenigen Menschen dienen, sondern prinzipiell allen Menschen."
Zugang und Nutzen sollen möglichst vielen Menschen offenstehen.
Technologie darf gesellschaftliche Ungleichheiten nicht unnötig verstärken.
Dieses Ziel kann unter anderem unterstützt werden durch:
- offene Standards,
- Bildung und digitale Teilhabe,
- transparente Regulierung,
- gemeinwohlorientierte Forschung,
- internationale Zusammenarbeit.
5 – "KI soll nur kurz- oder mittelfristige Ziele haben aber keine langfristigen."
Ziele müssen begrenzt und kontrollierbar bleiben.
Technische Systeme sollten nur solche Ziele verfolgen, die nachvollziehbar, überprüfbar und begrenzbar bleiben. Langfristige autonome Eigeninteressen technischer Systeme bergen erhebliche Risiken.
6 – "KI soll innerhalb festgelegter Prioritäten und Grenzen zwischen Zielen abwägen können."
KI muss Zielkonflikte berücksichtigen können.
Menschliches Leben besteht aus Abwägungen zwischen unterschiedlichen Interessen und Werten.
Deshalb müssen KI-Systeme innerhalb klar definierter Grenzen unterschiedliche Ziele gegeneinander bewerten können. Gleichzeitig dürfen solche Systeme menschliche Verantwortung nicht ersetzen.
7 – "Der Mensch muss die Möglichkeit behalten, einzugreifen, zu korrigieren oder abzuschalten"
Der Mensch behält die Kontrolle.
Die letzte Verantwortung darf nicht an Maschinen delegiert werden.