Arbogast, Christine / Keim, Gerhard: Neue IT-Berufsfelder – Entstehung und Perspektiven

Arbogast, Christine / Keim, Gerhard: Neue IT-Berufsfelder – Entstehung und Perspektiven, R. M. Katzsch (Hrsg.) HMD 218, Praxis der Wirtschaftsinformatik, ISBN 3-89864-102-3, dpunkt.verlag April 2001, S. 23 – 34.

Themen: Berufsfelder, IT-Branche, Spezialisierung.

Abstract
Gefragt wird, aus welchem Bedarf sich neue Berufsfelder in der IT-Branche entwickelt haben und welche Entwicklunglinien sich abzeichnen.

Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung — „Mechanismus des Wandels“
2 Produktionsberufe — „Nutzbarmachung von Bits und Bytes“
3 Berufe im Konvergenzbereich
4 Schnittstellenberufe
5 Ausblick

Bewertung
Bestimmte Berufsfelder, die in der IT-Branche im Begriff sind sich herauszukristallisieren, werden charakterisiert — ein Ansatz mit Seltenheitswert.

Inhalt

(1)
„Anpassungsfähigkeit an neu entwickelte Standards“ und „Lernbereitschaft in einem immer rasanteren Zyklus an Neuerungen“, so werden die gegenwärtigen (Über-)Lebensbedingungen in der IT-Branche geschildert.
Von den Zeiten des Ingenieurs am Großrechner bis zur allgemeinen Nutzung von PCs habe sich vor allem eines geändert: Es zählt nicht mehr nur Technologie als solche, sondern Technologie in einer bestimmten Zeit als „Time-to-Market“ bzw., Ausbildungserfordernisse miteingerechnet, als „Time-to-Job-Market“. Alles (Un-)Mögliche werde von denen, die sich in diesem Feld bewegen, erwartet, auch „Stressresistenz“.
Typisch für die jüngste Vergangenheit ist den Autoren zufolge die Herausbildung der sogenannten Bindestrich-Informatiken, zum Beispiel und vor allem Wirtschaftsinformatik. Aber auch im biologischen Bereich gibt es informationstechnologischen Bedarf; denn bei gentechnischen Analysen fallen enorme Datenmengen an, die mit entsprechenden Programmen verarbeitet werden müssen. Daher die jüngste Erscheinung des Ausbildungszweigs zum Bioinformatiker. Noch kein entsprechender Begriff ist im Bereich der Verwaltung da; doch erwarten die Autoren, wo das Wort vom „E-Government“ bereits die Runde macht, eine Ausbildungsrichtung, die ‚IT-Verwaltungswirt‘ heißen könnte.

(2)
Als Kernbereich oder Gravitationszentrum — oder eigentlich Gravitationzentren — der IT-Berufe sehen die Autoren die Systemanalyse wie die Hard-und Softwareentwicklung, mit denen weitere Schwerpunkte verwoben sind. Und so werden die folgenden Haupttypen von IT-Profis herausgestellt:
Hard-und Softwareentwickler: In dem Maße, wie sich die Branche ausdifferenziert, würden auch Leute gebraucht, die den Überblick haben. Daher sei in diesem Feld der „Allrounder mit Fachwissen“gefragt.
Administratoren: Für die tatsächliche Nutzung von IT-Systemen, ist nicht nur deren Entwicklung von Belang, sondern auch, zumal wenn die Systeme komplex werden, deren Implementierung, Verwaltung und Pflege. Hierzu werden spezielle Admisnistratoren gebraucht, „Webmaster“, die mitunter als Kreuzung von Programmierern und Online-Redakteueren beschrieben werden, wobei de facto häufig auch die Betreuung des Endusers dazugehöre. — Darüber hinaus gibt es noch speziellere Netzwerk-, System-, Datenbank- und PC-Administratoren.
Screen-Designer: Ein weiterer Bereich ist die Gestaltung, doch nicht nur im Sinne der Ästhetik einer Webseite, auch um Kunden die Orientierung zu erleichtern und gangbare Wege in der Fülle der Angebote zu weisen. Als eine besondere Herausforderung sprechen die Autoren hier an, Oberflächen möglichst unsichtbar zu machen und den Nutzern den Eindruck zu vermitteln, der mechanische Kommunikationspartner sei ihresgleichen.
Projektleiter: Das Projektmanagement, mit seinen Grundfunktionen der Koordination und der Abstimmung, werde in seiner Bedeutung noch unterschätzt, obwohl viele Erfahrungen in der IT-Branche zeigen, dass Entwicklungen häufig abgebrochen werden und Zeit- wie Geldbudgets nicht eingehalten werden können. Mit jeder Spezialisierung, so eine generelle Begründung für die Notwendigkeit einer Projektleiterfunktion, erhöht sich der Integrationsaufwand um ein Mehrfaches. Für solche Funktionen werden, wie die Autoren es sehen, vor allem Multitalente gebraucht.

(3)
Das Zusammenwachsen der großen Medienbereiche, vor allem Internet, TV, Handy, und ihre Verbindung mit den Alltagsgeräten, ist nur eine Frage der Zeit. Wenn dem so ist, folgern die Autoren, entstehen analog in den entsprechenden Regionen, wo „alles zusammenkommt“, sogenannte Konvergenzberufe.

(4)
Internet und Multimedia sind die am schnellsten wachsenden Teilbereiche in der IT-Branche, und die Innovationszentren. Hier sind Berufe am Entstehen, die zu den typischen „Schnittstellenberufen“ gehören:
Information Manager: Ein Kennzeichen der gegebenen Situation ist, dass Informationen in Hülle und Fülle vorhanden sind und dass gleichzeitig Information, wenn es die ‚richtige‘ ist, als besonders wertvolle Ressource der Gesellschaft erachtet wird. Gebrauchte Informationen aus der Fülle der Informationen herauszufischen und in geeignete Kontexte zu stellen, ist die Grundaufgabe des Information Managers. Allerdings sind damit, wie Arbogast/Keim hervorheben, zwei unter Umständen auseinanderfallende Funktionen angesprochen: eine, in der der Akzent der Tätigkeit auf das Sammeln (von Informationen) gerichtet ist, wofür sich der Begriff des Info-Brokers und auch der des Online-Forschers herausgebildet hat; die andere ist die des Content-Managers , zu dessen Aufgaben es — wie Dostal herausgestellt hat — gehört, Informationsstrukturen (kritisch) zu hinterfragen und auf Verbesserungen hin zu wirken.
Online-Redakteur: Häufig vom Journalismus kommend, ist er oder sie für die Aufbereitung von Inhalten für das Internet zuständig, wobei Mehrfachverwertungen typisch sind. Die Arbeit eines solchen Redakteurs muss dem im Internet herrschenden Aktualitätsbedarf angepasst sein.
Multimedia-Concepter: Auch er arbeitet nahe am Content, jedoch im Sinne der Herstellung von Konzepten, die unmittelbar zielgruppenorientiert sind und einen dramaturgischen Aufbau haben. Deshalb spricht man in seinem Fall auch von der Herstellung eines Drehbuchs.

(5)
Ausblickend stellen die Autoren fest, dass zwei große Entwicklunglinien zu beobachten sind. Auf der einen Seite, in den großen Unternehmen, die Herausbildung hochgradiger Spezialisten zwischen und innerhalb der beschriebenen Funktionen; auf der anderen Seite aber etwa in kleinen Agenturen, in der Extremform als „Ich-Unternehmer“, der wandlungsfähige Generalist.
14.11.2001; MF

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