Reichwald, Ralf et al.: Telekooperation – Verteilte Arbeits- und Organisationsformen

Reichwald, Ralf / Möslein, Kathtin / Sachenbacher, Hans / Englberger; Hermann / Oldenburg, Stephan: Telekooperation. Verteilte Arbeits- und Organisationsformen, Berlin/Heidelberg 1998. 331 S. ISBN 3-540-62013-3. 78,00 DM.

Themen: alternierende Telearbeit, Arbeits- und Organisationswissenschaft, Grenzen des Technologie-Einsatzes, Kontrolle, ökonomische Bewertung, Substituierung von Kommunikation, Telearbeitsformen, Telemanagement, Telekooperation, virtuelle Unternehmen.

Abstract
Ziel des Buches ist es, „die Nutzenpotentiale der neuen Arbeits- und Organisationsformen auszuleuchten, auf Barrieren hinzuweisen und Vorschläge abzuleiten, mit denen für die Arbeitswelt der Zukunft Risiken vermindert und Chancen verbessert werden können“ (S.VI).

Inhaltsverzeichnis
1. Potentiale der Telekooperation: Vision oder Illusion?
2. Bausteine der Telekooperation: Mensch – Organisation – Technik
3. Dimensionen der Telekooperation: Telearbeit – Telemanagement – Teleleistung
4. Telearbeit: Organisation und Gestaltung verteilter Arbeit
5. Telemanagement: Koordination und Führung verteilter Arbeit
6. Teleleistung: Produkt- und Prozeßinnovationen in verteilten Strukturen
7. Telekooperation und verteilte Organisationsformen: Leistungssteigerung durch Virtualisierung
8. Nutzen der Telekooperation: Die ökonomische Perspektive
Literaturverzeichnis, Sachverzeichnis, Autorenverzeichnis

Bewertung
Das Werk gilt inzwischen als Standardwerk für alle, die sich mit Telekooperation auseinandersetzen möchten oder müssen. Es ist zunächst als Wegweiser für Praxis und Wissenschaft konzipiert, wenn auch eine Synopse der Einzelkapitel fehlt.

Inhalt

1. Potentiale der Telekooperation: Vision oder Illusion?
Zunächst thematisieren die AutorInnen die Potentiale der Telekooperation. Ausgehend von der veränderten Verfügbarkeit von menschlicher Arbeitskraft („any time, any place“) möchten sie den Weg zu „right time, right place“ weisen. Vor allem die Flexibilisierung von Zeit- und Raumgrenzen stellt große Innovations- und Rationalisierungspotentiale zur Verfügung und ermöglicht „any time/any place“-Aktionen bei der Wertschöpfung. Erklärte Absicht der AutorInnen ist es, Klarheit und Systematik in die begrifflich unscharfe Diskussion über verteilte Arbeits- und Organisationsformen zu bringen.

2. Bausteine der Telekooperation: Mensch – Organisation – Technik
Zu den Bausteinen der Telekooperation werden die Struktur menschlicher Kommunikation, die Organisationsbedingungen und die technischen Bedingungen gezählt. Hier erfolgt eine Diskussion der Einflußfaktoren sowie eine Erörterung der Veränderungen der Organisationsstrukturen.

3. Dimensionen der Telekooperation: Telearbeit – Telemanagement – Teleleistung
Telearbeit, Telemanagement und Teleleistung konstituieren die Telekooperation als „mediengestützte arbeitsteilige Leistungserstellung zwischen verteilten Aufgabenträgern, Organisationseinheiten und/oder Organisationen“ (S.65).

4. Telearbeit: Organisation und Gestaltung verteilter Arbeit
Die Systematisierung der Organisation und Gestaltung verteilter Arbeit (home-based telework, center-based telework, mobile telework und on-site telework) macht klar, welche unterschiedlichen Zielsetzungen mit verteilten Arbeitsformen verbunden sind. Fallbeispiele illustrieren die Nutzenpotentiale.

5. Telemanagement: Koordination und Führung verteilter Arbeit
Das zentrale Problem bei der Einführung verteilter Arbeits- und Organisationsformen ist die Koordination und Führung, das Telemanagement. Das mangelnde Wissen darüber erweist sich in der Organisationspraxis häufig als Barriere gegenüber einer weiteren Erprobung. Entgegen manchen technikdeterministischen Illusionen insistieren die AutorInnen darauf, daß Face-to-Face-Kommunikation nicht einfach substituierbar ist. Außerdem werben die AutorInnen für ein neues Rollenverständnis sowohl der Führungskräfte als auch der MitarbeiterInnen, welches die Ergebnisse eigener Untersuchungen nahelegen und auf Veränderungen in der Führungs- und Kommunikationsarbeit zurückzuführen ist. Als Barrieren des Telemanagements bezeichnen sie Probleme im Hinblick auf Vertrauen, Wertesystem, Führungsstil sowie Aufgaben, Medieneinsatz und Qualifikation.

6. Teleleistung: Produkt- und Prozeßinnovationen in verteilten Strukturen
Bei Produkt- und Prozeßinnovationen in verteilten Strukturen lassen sich folgende Segmente unterscheiden: Televerwaltung, Telelearning, Telebrokering, Telemedizin, Telesteuerung und Teleshopping werden mit Anwendungsbeispielen vorgeführt. Die illustrativen Beispiele von Konzepten und Projekten aus Wissenschaft und Wirtschaft veranschaulichen die Differenz zwischen Visionen bzw. Illusionen hinsichtlich virtueller Unternehmen und Organisationen einerseits und praktizierten Modellen andererseits.

7. Telekooperation und verteilte Organisationsformen: Leistungssteigerung durch Virtualisierung
Der Telekooperation als Organisationsstrategie und den Möglichkeiten der Leistungssteigerung mittels Virtualisierung ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Dabei wird die Telekooperation als eigenständige Organisationsform und als Basis virtueller Organisationen begriffen sowie als besondere Wettbewerbsstrategie im Kontext von Globalisierung und Deregulierung beschrieben.

8. Nutzen der Telekooperation: Die ökonomische Perspektive
Hier diskutieren die AutorInnen abschließend die Grenzen überkommener Controllingkonzepte. Da neue Organisationsformen (alternierende Telearbeit) häufig nach Substitionsprinzipien (Mehr- versus Minderkosten) bewertet werden, zeitigt diese Herangehensweise innovationsfeindliche Effekte. Die AutorInnen vertreten demgegenüber einen Ansatz „erweiterter Wirtschaftlichkeit“, bei dem neben quantitativen auch qualitative Aspekte (Marktorientierung, Kundennutzen, Mitarbeiterzufriedenheit, Image des Unternehmens) in die Erfolgsbilanz einbezogen sind. Allerdings bedingen vernetzte Arbeitsformen zugleich ein neues Controllingverständnis. Nutzeneffekte werden auf den Ebenen Arbeitsplatz, Leistungsprozeß, Gesamtorganisation sowie Markt und Gesellschaft ausgemacht.

20.03.2001; KS

 

Veröffentlicht in Themenübergreifende Literatur