Zukunftsvision: Wenn KI den Schiedsrichter ersetzt

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Schiedsrichter auf dem Fussballfeld durch Systeme mit KI ersetzt werden. Wie kann so etwas praktisch aussehen?

von Georg-Ludwig Verhoeven

Jeder weiß, dass Schiedsrichter nicht unfehlbar sind, das geben sie auch selbst zu. Und selbst dann, wenn sie Hochtechnologie wie den „Video-Assist“ einsetzen, kommt es zu problematischen Entscheidungen, wie die Fachpresse ständig – und oft hämisch – berichtet. Dabei wäre doch alle so einfach: Eine Handvoll hochauflösende multispektrale Hochgeschwindigkeitskameras, an den richtigen Stellen plaziert und/oder auf Drohnen im Stadion unterwegs, ein KI-System dahinter, welches alle Bilder ständig analysiert, das die Eigenheiten der unterschiedlichen Spieler kennt und ständig dazulernt, sich durch deren ändernde Haartracht und Tattoos nicht verwirren lässt.

Ein solches System kann – unter anderem – zweifelsfrei erkennen, ob der Ball über die Linie war, ein Spieler die Hand zu Hilfe genommen hat, Fouls von Schwalben unterscheiden. Es erkennt Abseitssituationen, führt sekundengenau Buch über Spielunterbrechnungen und ordnet die korrekten Nachspielzeiten an. Alle anzuwendenden Spielregeln sind korrekt einprogrammiert, werden ggf. aktualisiert und fehlerfrei umgesetzt. Und das alles in Echtzeit – man muss keine Spieler mehr aus der Kabine holen, wenn der Schiedsrichter im Nachhinein mittels „Videobeweis“ seine Entscheidung korrigiert, die Spieler aber schon in die Pause geschickt hat. Alle Entscheidungen können gleich über Stadionmonitore und -lautsprecher bekanntgegeben werden. Natürlich bräuchte man dann auch keine Linienrichter / Linienassistenten etc. mehr. Für den „menschlichen Touch“ könnte man einen Roboter über den Rasen laufen lassen, dir mit gelber und roter Karte ausgestattet, dazu die Spraydose für die Mauer beim Freistoß. Als „Old-School-Goodie“ könnte man ihm eine Trillerpfeife spendieren.

Die Investitionskosten für solche Systeme sind über den Wegfall der Schiedsrichter-Gehälter (Festgehälter um die € 70,000 und mehr im Jahr im Profibusiness, dazu € 5,000 pro Bundesligaspiel) schnell eingespielt. Und kein Schiedsrichter muss mehr Angst um seine körperliche Unversehrtheit haben, und erst recht nicht um die seines Autos. Randalierende „Fans“ hätten kein Feindbild mehr, und so könnten Schäden an Stadien und Kosten für Polizeieinsätze radikal reduziert werden.

Ob das hier geschilderte Szenario jemals Wirklichkeit wird, ist heute nicht abzusehen; ob Spieler, Fans, Vereine und Verbände es wollen, müssen sie selbst entscheiden.Wenn wir jedoch die aktuelle Entwicklung der KI beobachten, und vor allem die Prognosen ihrer zukünftigen Fähigkeiten glauben, wäre es technisch sicher bald kein Problem mehr. Man müsste dann nur die Stromversorgung des KI-Schiri fansicher schützen. FIFA und DFB sollten auf jeden Fall zügig beginnen, einen „Business Case“ hierfür zu erarbeiten.