Lebensqualität mit IT: Wir brauchen ein Humanimeter!

Welchen Beitrag die IT oder das „Internet of Things“ für die Lebensqualität der Menschen tatsächlich leistet, wissen wir bisher nicht. Sollten wir aber, weil wir sonst schwerkrank werden. Ein Debattenbeitrag.

Von Egon Scherer

Gesundheit, Sicherheit, Respekt, Persönlichkeit, Harmonie mit der Natur, Freundschaft und Muße: Wenn wir diese Basisgüter als Maßstab für ein gutes Leben definieren: Wo überhaupt und, wenn ja, „wieviel“ trägt die IT und das Internet of Things heute zu diesen Basisgütern bei? Wie wird sich dies in Zukunft entwickeln?

Aktuell sinkt die Intensität der Nutzung unserer technischen Produkte und die prozentuale Nutzung der Funktionen dieser drastisch. Während unsere technischen Produkte immer komplexer werden und der Funktionsumfang steigt, überlappen sie sich mit ähnlichen Produkten  – oft sogar vom gleichen Hersteller. Gleichzeitig werden wir aber von unserer Technik „konsumiert“, insbesondere dann, wenn die technischen Produkte uns permanent beschäftigen. Interessanterweise sind oft genau diese Produkte auf den ersten Blick „kostenlos“, was die Problematik verschärft. Dass dies zur Entfremdung führt, ist nachvollziehbar: Wir besitzen viele Produkte, sie bedeuten uns aber nichts. Sie erzeugen keine Resonanz.

Die Anzahl der technischen Geräte, die ein Mensch besitzt, hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm gesteigert. Derzeit ist hier auch keine Trendwende in Sicht. Aber: Können wir es uns aus philosophischer und soziologischer Sicht leisten, dass die Anzahl der Besitztümer immer weiter steigt? Wo ist die Grenze? Wir sind aus meiner Sicht definitiv auf dem Weg in eine schwerkranke Gesellschaft. Die Beschleunigung nimmt weiter zu, wir sind quasi gezwungen, oberflächlich zu agieren, darunter leidet die Selbstwirksamkeit sehr schnell und wir werden seelisch und/oder körperlich krank. Dass unsere sozialen Kontakte darunter leiden, trotz Social Media oder gerade deshalb, ist inzwischen offensichtlich.

Deswegen sollten wir überlegen, welchen Beitrag unsere technischen Produkte zur Steigerung unserer Lebensqualität beitragen. Dann muss man erst einmal klären: Ist dieser Beitrag überhaupt messbar? Gibt es dann kulturelle, globale, soziologische Ausprägungen bei der Gewichtung auf unsere Basisgüter? Aber wenn es gelingen würde, einen „Humanimeter im Internet of Things“ zu entwickeln, der uns dann sagt, ob und welchen Beitrag ein Produkt zur Befriedigung der Basisgüter leistet, könnte dies vielleicht unsere Lebensqualität steigern.

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Ein Kommentar zu “Lebensqualität mit IT: Wir brauchen ein Humanimeter!
  1. Wir sind uns wohl einig, dass IT = Internet Technologie und KI = Künstliche Intelligenz dem Menschen dienen müssen und dienen können und dass nicht umgekehrt, der Mensch zum Sklaven seiner Technologie werden darf. Ich finde es äußerst hilfreich einen PC zu haben, der mir das Schreiben von Texten und ganzen Büchern erheblich erleichtert, dass ich Fotos bearbeiten und Daten brennen kann. Diese Technik hilft mir, Zeit zu sparen, indem ich Arbeiten schneller erledigen kann als ohne sie, aber ich will nicht Sklave dieses „Fortschritts“ sein, ich will nicht von Facebook terrorisiert und unter E-Mailschwemmen verschüttet werden. Ich genieße es, nicht immer und jederzeit per Handy erreichbar zu sein. Ich habe nicht den Ehrgeiz und die Neugier über alle Banalitäten der „Promis“ informiert zu sein. D.h. ich muss mich ausklicken können, wann ich will und wenn es mir gut tut! Für mein Wohlbefinden und für meine Persönlichkeitsentwicklung brauche ich Zeit zum freien Sinnieren. Wie beim Essen müssen wir lernen, Maß zu halten, lernen, welche geistige Nahrung uns gut tut und welche uns schadet. IT und KI müssen Angebote bleiben, die ich annehmen oder ablehnen, am besten sinnvoll für mich nutzen kann, sie dürfen mich nicht beherrschen. Das ist alles nicht einfach nur gut und nützlich, sowenig wie das Angebot in einer Konditorei, die uns freien Zugriff erlaubt und die uns schwer schaden würde, wenn wir uns keine Grenzen setzen würden.