Warum nicht alles intelligent ist, was sich intelligent nennt

Der Begriff Künstliche Intelligenz ist aktuell in Mode. Aber halten die Produkte, die mit KI arbeiten, was sie versprechen bzw. was wir von ihnen erwarten? Die Antwort kann nur ein klares „Jein“ bzw. „kommt drauf an“ sein.

Von Georg-Ludwig Verhoeven

Wir empfinden unsere Navigationssystem im Auto als „intelligent“: Nicht nur schlägt es uns eine optimale Fahrtroute vor, sondern es nennt uns auch die voraussichtliche Ankunftszeit, informiert uns, wenn es Störungen auf dem Weg gibt und schlägt eine Alternativroute vor. Doch nicht nur das: Es nennt uns wichtige Punkte am Weg, Tankstellen, Radarkontrollen und vieles mehr.

Aber ist das Navigationssystem deswegen „intelligent“? Das ist Definitionssache. Gängige Definitionen von „Intelligenz“ beinhalten immer das Lernen aus gemachten guten oder schlechten Erfahrungen. In dem Sinne ist das Navigationssystem nicht „intelligent“, denn es lernt nicht dazu aus Erfahrungen, ist aber sehr schnell, fleißig, präzise und zuverlässig beim Auswerten der riesigen und ständig aktualisierten Datenbestände, die ihm zur Verfügung stehen.

Und das Navigationssystem ist dabei nur ein Beispiel: Es gibt inzwischen sogenannte „intelligente“ Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte, Werkstoffe, sogar „intelligente“ Knete und vieles mehr. Es lohnt sich also immer, bei angeblich „intelligenten“ System zu hinterfragen, ob sie nicht Wirklichkeit „nur“ schnell, fleißig, präzise und zuverlässig sind – und zu fragen, ob sie tatsächlich auch lernen. Sicher: Natürlich können sie, auch ohne im strengen Sinne „intelligent“ zu sein, dennoch nützlich und hilfreich sein – eine Inflation des Begriffes „(künstliche) Intelligenz“ ist aber nicht wünschenswert.

Schon eher als „intelligent“ bezeichnen kann man den Esel, der angeblich an der gleichen Stelle nicht zweimal fällt. Und eine gewisse „Intelligenz“ zeigte auch ein Navigationssystem in einem Werbespot, in dem der Fahrer die Anweisungen des Navis konsequent ignoriert. Mit den Worten „Ich werde wohl hier nicht gebraucht!“ schaltete es sich ein und klappte sich weg. Das war nicht nur intelligent, sondern sogar emotional. Menschlich eben.

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