Schack, Michael: Telearbeit und Internet

Schack, Michael: Telearbeit und Internet, in: Gräf, Lorenz / Krajewski, Markus (Hg.): Soziologie des Internet. Handeln im elektronischen Web. Beiträge zur empirischen Sozialforschung. Frankfurt/M./New York 1997, S. 152-173. 259 S. ISBN 3-593-35773-9. 38.00 DM.

Themen: Organisationsforschung, soziale Isolierung, Substituierung von Kommunikation, Telearbeitsformen, Unternehmensstrukturen.

Abstract
In diesem Text wird zum einen eine begriffliche Systematisierung von Telearbeit vorgenommen, zum anderen erfolgt eine Charakterisierung der jeweiligen organisationellen Umsetzungen.

Inhaltsverzeichnis
1. Was ist Telearbeit?
2. Formen der Telearbeit
3. Anmerkungen zu den Formen der Telearbeit
4. Telearbeit und Internet
5. Fazit
6. Literatur

Bewertung
Einerseits ein Grundsatzartikel, der zwar entgegen der Überschrift nur wenig auf das Verhältnis von Internet und Telearbeit eingeht, andererseits am Ende den durchaus bedenkenswerten Gedanken des Zusammenhangs von technischem Arrangement und Organisationsstruktur präsentiert.

Inhalt

1. Was ist Telearbeit?
Zunächst definiert Schack Telearbeit (Telecommuting, Electronic Distance Work) als über eine räumliche Distanz hinweg elektronisch vermittelte und mit Arbeitstätigkeiten zusammenhängende Interaktionen. Er zeichnet die vielfältigen Rahmenbedingungen nach.

2. Formen der Telearbeit
Der Autor teilt Telearbeit in fünf Formen ein: Electronic Homework, Shared Facility Centres, Satellite Work Centres, Private Enterprise Centres, Flexible Work Arrgangements. Darüber hinaus erwähnt er eine gerade in bezug auf das Internet bemerkenswerte Form der Telearbeit, „die als Dienstleistungen zumindest zum Teil auf die Konsumenten übertragen wird“ (S.163): Telebooking, Telebanking, Teleshopping, Teleteaching faßt er unter „Do-it-yourself-Strukturen“.

3. Anmerkungen zu den Formen der Telearbeit
Während die erwähnten Formen von Telearbeit an lange bestehende Formen von Arbeitsorganisation anknüpfen, erweitern Computernetze die Kommunikationsmöglichkeiten und geben ihnen einen zentralen Stellenwert. Die Ausbreitung von PCs und Internet wirkt als Impulsgeber. Alle genannten Formen von Telearbeit sind keine neuen Konzepte im Hinblick auf die Form der Arbeitsorganisation. Schack betont, daß Computer und Kommunikationsnetzwerke als soziale Tatbestände zu definieren sind. Das soziale Arrangement Computernetz erfährt in den Unternehmen jedoch keine organisationelle Umsetzung (nach wie vor dominiert Face-to-Face-Kommunikation). Aber erst das Vorhandensein von Regeln für vernetzte Kommunikation innerhalb eines Organisationssystems läßt den Einsatz von Software als Orientierungshilfe sinnvoll erscheinen.

4. Telearbeit und Internet
Telearbeit steht in mehrfacher Hinsicht in einem engen Zusammenhang mit dem Internet. Das Internet ermöglicht die Weiterverarbeitung ohne Medienbruch (PC gleichzeitig als Medium und Maschine). Während die Zeitmuster bereits aufgebrochen sind, gilt das in der Raumperspektive nicht im selben Maße. Das Netz erschließt zwar Möglichkeitsräume, doch sind es immer wieder die fehlenden Transportmöglichkeiten, die im wesentlichen als Zeitprobleme begriffen werden, die dann als Barrieren für die weitere Ausbreitung von Telearbeit auftauchen. Deshalb werden Bedenken häufig im Hinblick auf den sozialen Raum formuliert (Isolation von Kollegen usw.). Demgegenüber wäre zu untersuchen, ob dieser Raum in den Firmen bisher so genutzt wird, wie es bei der Telearbeit tatsächlich nicht mehr möglich ist. Unbeschadet einer solchen Spekulation konstatiert Schack, daß persönliche Kommunikation (Face-to-Face, Telefon) auch künftig aufgrund der größeren Bandbreite an Kanälen als vorteilhafter angesehen werden dürfte.

5. Fazit
Schack bekräftigt den engen Zusammenhang von Telearbeit und PC bzw. Internet. Dabei verweist er auf den Begriff Protokoll, der einerseits ein technisches Arrangement bezeichnet, andererseits verdeutlicht, warum die Einführung neuer Technologie wie computervermittelte Kommunikation nur selten Produktivitätsvorteile bringt: „Die Operationen innerhalb von Organisationsformen bleiben gleich und werden auf technische Arrangements abgebildet, deren Auflösungsniveau weitaus größer ist.“ Daraus erklärt er die Angst vor Informationsüberflutung und die überwiegende Verbreitung von Telearbeitsformen, die direkt an bestehende Strukturen anknüpfen können. Demnach lassen sich Produktivitätsvorteile erst dann erzielen, wenn auch entsprechende Organisationsstrukturen entwickelt werden.

20.03.2001; KS

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