Flüter-Hoffmann, Christiane et al.: Telearbeit in Deutschland und Europa – neue Chancen, neue Arbeitsstrukturen

Flüter-Hoffmann, Christiane u.a.: Telearbeit in Deutschland und Europa – neue Chancen, neue Arbeitsstrukturen, Deutscher Institutsverlag 1999. 48 Seiten.

Themen: Management by Objectives, Statistik, Telearbeit-Jobbörsen, Telearbeitsverbände.

Abstract
Es wird ein Überblick über Verhältnisse und Bedingungen der Telearbeit gegeben.

Inhaltsverzeichnis
(1) Einführung

(2) Telearbeit: Chancen für Unternehmer und Mitarbeiter

(3) Status der Telearbeit in Europa

(4) Ausblick

Bewertung
Eine übersichtliche Schrift mit informativer Statistik.

Inhalt

(1) Einführung
Einführend weisen die Autoren (C. Flüter-Hoffmann, R. Kowitz, A. Wegner) darauf hin, dass seit den frühen 1990er Jahren die Unternehmen zunehmend ihre Ablauforganisation durch Telekommunikation verbessert und die Möglichkeiten genutzt haben, computergestütztes Arbeiten dezentral zu organisieren; tendentiell sei dies für die Mitarbeiter motivierend und für die Unternehmen produktionssteigernd.
Allerdings geschehe der Wandel nur allmählich: 1994 haben 40 % der Geschäftsführer in Deutschland Telearbeit einführen wollen, und 42 % der arbeitenden Bevölkerung wünschten die sogenannte alternierende (zwischen dem zentralen und einem dezentralen Ort wechselnde) Telearbeit; doch Ende der 90er Jahre sind in Deutschland erst 6 % der Beschäftigten in Telearbeitsverhältnissen beschäftigt. Dies ist zugleich der Durchschnitt in Europa, wo sich hinsichtlich der Telearbeit ein sehr ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle zeigt. (S. 4 f)

(2) Telearbeit: Chancen für Unternehmer und Mitarbeiter
Es wird dann dargelegt, was Telearbeit ist. Faktoren, nach denen diese Form der Arbeit untersucht werden kann, seien die Technik (Bedingheit durch Kommunikations- und Informationstechnologie), der Arbeitsort (dessen Variabilität), die Arbeitszeit (deren Flexibilität), die Rechtsform (ihre Unterschiedlichkeit). Als Arten der Telearbeit unterscheiden die Autoren
— Teleheimarbeit; typischerweise isoliert, (weitestgehend) zu Hause stattfindend
— Mobile Telearbeit; ein Notebook und Datenfernübertragung ihre Voraussetzung
— Alternierende Telearbeit; Arbeit teils hier, teils dort
— Telezentren; meist in angemieteten Büros für spezielle Dienstleistungen
— Nachbarschaftsbüros; typischerweise Einrichtungen von mehreren Unternehmen
— Satellitenbüros; quasi als Filialen von Unternehmen fungierend.
Es sei ein rapides Ansteigen von sogenannten Knowledge Workern zu verzeichnen, für die Telearbeit besonders in Frage kommt. Vor allem wegen der Flexibilität der Arbeitszeit sei sie für diese attraktiv. Grundsätzlich sei jede Arbeit für Telearbeit geeignet, wo körperliche Anwesenheit nicht erforderlich ist.
Die Autoren betonen jedoch, dass mit dem Praktizieren von Telearbeit der Charakter der Arbeit sich ändert bzw. bewusst geändert werden sollte: Im Führungsstil trete das „Management by Objectives“ in den Vordergrund, mit klaren Zielvereinbarungen, über welche die Kontrolle der Arbeit stattfinden kann. Für die Mitarbeiter werde höhere Eigenständigkeit und Eigen-verantwortung charakteristisch. Die Arbeitserledigung werde insgesamt transparenter. Für die Einführung von Telearbeit wird empfohlen, einen Implementierungsplan zu erstellen und zunächst einen Pilotversuch (bei dem es eine besondere Service-Stelle geben sollte) in der Firma durchzuführen.
Weiter wird aus der Praxis von (Groß-)Unternehmen, Telearbeit betreffend, berichtet. So sind bei IBM Deutschland 20 % aller Beschäftigten telebeschäftigt, bei den britischen Mitarbeitern dieser Firma sogar 40 % (Stand 1998 — S. 21). BMW hat in jüngster Zeit Telearbeit entdeckt, gemünzt auf Teilbereiche im eigenen Unternehmen und mit der Absicht, die Erfahrungen als Transfer an mittlere und kleine Unternehmen weiterzugeben (als Projekt großzügigst gefördert von der Landesunternehmung „Bayern Online“). Aus einer Begleituntersuchung zu diesem Programm geht hervor, dass Telarbeit im Durchschnitt an 1,7 Tagen in der Woche stattfindet; desweiteren, dass die diesbezüglichen Entwicklungen sowohl von den betroffenen Führungskräften als auch deren Mitarbeitern im Allgemeinen sehr positiv aufgenommen werden (zu 80 % im positiven Bereich). Ähnlich positiv wird ein 1998 bei der Deutschen Telekom AG gestarteter Telearbeit-Pilotversuch bewertet.
Genannt werden noch zwei besondere Projekte zur Förderung der Telearbeit. Zum Einen QUATEAM, bei dem mit EU- und NRW-Geldern Qualifizierungen für Telearbeit gefördert werden; zum Andern TELESKOP, eine Einrichtung, die bei der Planung der Einführung von Telearbeit hilft.

(3) Status der Telearbeit in Deutschland
Zum Thema des Status‘ der Telearbeit in Europa wird daran erinnert, dass sie 1994 im „Bangemann-Bericht“ der EU als wichtiges strategisches Ziel der europäischen Entwicklung genannt worden war. Als Prognose für das Jahr 2000 war damals eine Zahl von 10 Mio Telebeschäftigten in Europa genannt worden, was sich als realistisch erwiesen hat (aktuelle Schätzung: 9 Mio). Mittlerweile gibt es ein Netzwerk europäischer Telearbeitsverbände mit 28 beigetretenen Ländern; nähere Informationen unter www.eto.org.uk erhältlich.
Das sehr auffällige Nord-Süd-Gefälle hinsichtlich der Telearbeit in Europa zeigt sich in folgenden Daten (S. 28 — Stand Ende ’97):

Dänemark 12 %
Finnland 10 %
Schweden 9 %
Italien 2 %
Griechenland 1 %
Spanien 1 %

Die Autoren stellen fest, dass bezogen auf die Internet-Nutzung dieses Gefälle sogar noch deutlicher ausfällt; dies bedeutet auch, dass eine hohe Korrelation zwischen Internet-Nutzung und Telearbeit besteht, weil diese offenbar in hohem Maße von jener abhängig ist.
Die Widerstände gegen Telearbeit werden hauptsächlich bei zwei Gruppen ausgemacht: a) bei Führungskräften, die Kontrollverluste fürchten und wenig Vertrauen in die Mitarbeiter setzen; b) bei Gewerkschaftlern, die wegen der mit Telearbeit einhergehenden Tendenz zu Teilzeit-Arbeitsverträgen und befristeten Verträgen ihre Funktion als Vertreter von ‚Vollerwerbstätigen‘ geschmälert sehen.
Es wird noch eine Übersicht von Förderinitiativen für Telearbeit gegeben. Zu den wichtigsten gehören auf europäischer Ebene ECTF (European Community Telework/Telematic Forum), auf deutscher Ebene das BMBF (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie), auf Länderebene die Initiative tele@rbeit in Baden-Württemberg (www.initiative-telearbeit.de).

(4) Ausblick
Ausblickend wird Telearbeit als eine typische Arbeitsform der Informationsgesellschaft ins Auge gefasst, deren „postindustrielle Erwerbsstrukturen“ gekennzeichnet seien durch einen starken Anteil selbständiger Arbeit, durch Unabhängigkeit der Arbeit von räumlichen Bedingungen, durch Internationalisierung aufgrund weltweiter Vernetzungen und durch ein hohes Maß auftragsgebundener Arbeit bzw. Arbeit in Zeitverträgen.
Im Anhang ist eine Checkliste für potentielle Telebeschäftigte abgedruckt, außerden eine Auswahl einschlägiger Internetadressen, darunter Telearbeit für Behinderte und Telearbeit-Jobbörsen.

02.10.2001; MF

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