Dostal, Werner: Der IT-Arbeitsmarkt – heute und morgen

Dostal, Werner: Der IT-Arbeitsmarkt – heute und morgen, in: R. M. Katzsch (Hrsg.) HMD 218, Praxis der Wirtschaftsinformatik, ISBN 3-89864-102-3, dpunkt.verlag April 2001, S. 7 – 21

Themen: Berufsforschung, IT-Arbeitsmarkt, Qualifikationsforschung.

Abstract
W. Dostal vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit diskutiert die Entwicklungsperspektiven für IT-Stellen.

Inhaltsverzeichnis
1 Kurze Geschicht des IT-Arbeitsmarktes
2 Die Informatisierung
3 Computer als Arbeitsmittel
4 Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
5 Bedarfsaussagen
6 Die Green Card für IT-Personal
7 Neuangebot im Jahre 2000 und später
8 Weitere Aussichten

Bewertung
Es ist eine mit informativen Statistiken gespickte Übersicht über Lage und Perspektiven am IT-Arbeitsmarkt , die einen verhaltenen Optimismus ausdrückt, der begründet erscheint.

Inhalt

1
Im Rückblick auf annähernd vier Jahrzehnte, in denen man von einem IT-Arbeitsmarkt sprechen kann, bemerkt Dostal, dass die Situation immer durch wechselnde Berufsbezeichnungen — z.B. „Datenverarbeitungsfachkräfte“, „Computerspezialisten“ — gekennzeichnet war, dass es immer Engpässe und noch nie einen relevanten Überschuss an Fachkräften gab. „Eine Konsolidierung ist noch nicht erreicht.“ (S. 7)
Betont wird die Vielfältigkeit der Herkunft der IT-Fachleute; etwa drei Viertel der IT-Fachleute in Deutschland haben eine ganz andere Erstausbildung hinter sich, ihre Kompetenzen erst nachträglich erworben. (S. 8)

2
Mit der Umstrukturierung oder gar Revolutionierung der Arbeitsverhältnisse durch die Informationstechnologie haben die traditionellen Dienstleistungen keine nennenswerte zusätzliche Beschäftigung mehr erbracht; in der Langzeitbetrachtung ist dieser Sektor hinsichtlich der in ihm Beschäftigten konstant geblieben. Demgegenüber ist seit den 1960er Jahren der Anteil der in der materiellen Produktion Beschäftigten fortlaufend gesunken, während gleichzeitig der Anteil der Beschäftigten, die überwiegend mit Informationsverarbeitung im Sinne der neuen Technologien zu tun haben, fortlaufend gestiegen ist. Betrachtet man die letztere Entwicklung genauer, so zeigt sich, dass hier der Anstieg seit den 70er Jahren — mit einem Knick in der ersten Hälfte der 80er Jahre — bis in die frühen 90er Jahre besonders stark war und dann eine deutliche Abflachung der Kurve einsetzte, die in der Prognose bis 2010 weiterhin flach bleibt. (S. 9)

3
Auf dem heutigen Stand arbeiten in Deutschland etwa 50 % der Erwerbstätigen regelmäßig mit dem Computer als Arbeitsmittel. Als „Computerspezialisten“ verstehen sich dabei nur 1,2 % der Erwerbstätigen (S. 9 f). Hier liegt nach Dostal ein nicht leicht zu deckender Bedarf.

4
Nach jüngsten Daten ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Computerfachleute in starkem Wachstum begriffen; die Arbeitslosigkeit ist bei Leuten, die einen derartigen Zielberuf angeben, insgesamt rückläufig, aber nicht in gleichem Maße (in den neuen Bundesländern sogar ein leichter Anstieg — S. 11).

5
Eine Analyse des aktuellen Bedarfs an Computerspezialisten (Deutschland, Stand 2/2001) ergab für einzelne Bereiche folgendes:
Anwenderunternehmen 3.200
Beratungsunternehmen 7.545
Hardwarehersteller 3.019
Softwarehersteller 2.800
Telecomanbieter 1.919 (S. 15)

6
Erste Erfahrungen mit der Green Card zeigen, dass mehr über „Inder“ diskutiert wurde als indische Fachleute vom Angebot der Green Card Gebrauch gemacht haben; bis Anfang 2001 blieb ihre Zahl unter 1000. Dennoch führen Inder mit etwa einem Fünftel die Green Card-Beschäftigten aus den verschiedenen Ländern an, gefolgt von Russen und deren unmittelbaren Nachbarn mit etwa einem Siebtel. (S. 17 ff)

7
Im Jahr 2000 sind insgesamt rund 55.000 einschlägig qualifizierte neue Fachkräfte aus bundesdeutschen Ausbildungsstätten hervorgegangen, wobei die große Majorität aus Fachschulen stammte, die von der Bundesanstalt für Arbeit geförderte IT-Qualifizierungen in Anspruch nahmen. (S. 19)

8
Mittelfristig sieht Dostal die Aussichten, dem Bedarf an IT-Kräften aus heimischer Kraft gerecht zu werden, etwas günstiger als kurzfristig, und zwar wegen der Entwicklung der einschlägigen Studienanfängerzahlen, die sich mittelfristig positiv auswirken dürften. Entscheidend für den Erfolg sei die Motivationslage derer, die sich für oder gegen eine Ausrichtung auf IT-Berufe entscheiden; die Motivation hänge dabei maßgeblich von der Orientierung der Beschäftiger ab: ob sie die Arbeitsbelastung in diesem Bereich auf normale Maße zu reduzieren bereit sind und innovative Arbeitsformen anbieten, die den potentiellen Beschäftigten in ihren Wünschen nach Flexibilität entgegenkommen. (S. 20 f)

15.11.2001; MF

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