DJ AIKI – wenn KI den DJ spielt

Unser Blogger Georg-Ludwig Verhoeven macht sich Sorgen um die Zukunft der DJs. Werden sie durch KI bald arbeitslos?

von Georg-Ludwig Verhoeven

Die Bässe wummern, die Rhythmen hämmern, die Lichteffekte erzeugen den Eindruck, man sitzt in einem ausbrechenden Vulkan. Die Fans tanzen und schreien, und hier und werden auch Substanzen eingenommen, die die Stimmung weiter anheizen. So kennen wir die Stimmung in Discos. Und wer sitzt vorne am Pult und fährt diese ganze Show? Sehen kann man von der Tanzfläche ja kaum etwas, und letztlich ist es ja auch egal – man amüsiert sich. Wer da sitzt, ist DJ AIKI, und das ist – ein KI-System, aber kein DJ aus Fleisch und Blut. Der Name DJ AIKI klingt zunächst mal japanisch, ist aber einfach die Kombination aus „Artificial Intelligence“ und „Künstliche Intelligenz“.

Geht das? Sind die aktuellen menschlichen DJs mit ihren Millionengagen eine aussterbende Spezies?

Was machen DJs? Abgesehen von denen, die selbst auch Musik produzieren, stellen sie Musik nach gewissen Kriterien zusammen und spielen sie über Stunden ab. Manchmal fügen sie noch Lightshow, eigene Ansagen oder Tanzeinlagen hinzu. Können das nicht Maschinen und/oder KI-Systeme übernehmen?

Und wie die das können: Beim Zusammenstellen von „Playlists“ lässt sich der klassische DJ von gewissen Kriterien leiten und kann aus seiner Musiksammlung die passenden Stücke in der richtigen Reinhefolge asuswählen. Solche Kriterien können sein: Der Rhythmus, das Tempo, die Tonart, die Sprache, die Besetzung (vokal und/oder instrumental), Entstehungsdatum, ethnische / nationale Herkunft, Hitparadenplatzierunge (wann?) und einige mehr. Während der Vorführung wird dann noch Lightshow und Tanz hinzugefügt– mehr oder wenig spontan oder auch automatisch.

In der Vergangenheit musste ein DJ viel Musik kennen (und tausende von Tonträgern kaufen), um solche Playlists zusammenzustellen. Bei DJ AIKI ist das nicht mehr nötig: Das System ermittelt aus sämtlichen in Netz oder Cloud verfügbaren Musikdateien die notwendigen Kriterien und stellt daraus Playlists zusammen, wiederum nach gewissen Kriterien. Die Lightshow wird aus dem akustischen Signal live erzeugt, und auch hier können bestimmte Parameter (Farben, Helligkeit, Effekte etc. ) angepasst werden. Wenn man jetzt noch – entweder nach dem Zufallsprinzip oder auch parametrisiert – Rufe und Tanzbewegungen (eines Roboters oder digitale, ggf. bearbeitete Videoaufzeichnungen und gleich auf den Monitor) dazupackt, ist die Show fertig. Ob die Show erfolgreich war, lernt DJ AIKI aus der Größe und Zusammensetzung des Publikums, Lautstärke und Wildheit der Tanzenden, dem Getränkekonsum und letztlich dem Umsatz / Gewinn der Disko an diesem Tag. Bei Bedarf wird dann nachgeregelt, bis es passt. Und dann werden die erfolgreichen Playlists noch – kostenpflichtig – vermarktet.

Keine guten Aussichten für DJ Bobo, DJ Ötzi, David Guetta und wie sie alle heißen?