Clar, G. / Doré, J. / Mohr, H. (Hrsg.): Humankapital und Wissen – Grundlagen einer nachhaltigen Entwicklung

Clar, G. / Doré, J. / Mohr, H. (Hrsg.): Humankapital und Wissen – Grundlagen einer nachhaltigen Entwicklung –
Springer Verlag Berlin, Heidelberg 1997. 343 Seiten.

Themen: Geistige Arbeit, Nachhaltigkeit, Orientierungswissen, Verfügungswissen, Wachstumsmodelle.

Abstract
Von Experten aus unterschiedlichen Disziplinen werden Faktoren erörtert, die für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung einer Region (Baden-Württemberg) als belangvoll angesehen werden.

Inhaltsverzeichnis
I Begründung für die Studie

II Wissen als Humanressource

III Die Bedeutung des Wissens

IV Sozialkapital

V Natürliche Grenzen für die Entwicklung des Humankapitals

VI Humankapital als erneuerbare Ressource

VII Humanressourcen als Grundlage ökonomischer Entwicklung

VIII Ausblicke

Bewertung
Ein anregender Band, der sich aber durch Übersichtlichkeit oder Klarheit nicht gerade auszeichnet.

Inhalt

I
Die Studie, eine Veröffentlichung der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg, ist eingebettet in das von der Akademie gepflegte Themenfeld der Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit, so führt HANS MOHR aus, ist Thema geworden durch die Einschätzung, dass — global gesehen — weit weniger „künstliches Kapital“ (gefasst als Nettoinvestitionen) aufgebaut wird als „natürliches Kapital“ (erneuerbare und nicht erneuerbare Ressourcen) verbraucht wird; diese Entwicklung sei eine hin zum Kollaps, also alles andere als nachhaltig. Nachhaltigkeit zu erreichen, habe qualitatives Wachstum zur Voraussetzung. Dieses aber beruhe darauf, dass materielle Ressourcen und physikalische Arbeit verstärkt durch geistige Arbeit ersetzt werden. Die Orientierung darauf betreffe das gesamte Bildungswesen, wobei Mohr die Vorbereitung auf lebenslanges Lernen als dessen wichtigste Aufgabe ansieht.
Ziel der Studie sei, interdisziplinär die „Beziehung zwischen Humankapital, Wissen und Sozialkapital“ herauszuarbeiten, als Grundlage zur Entwicklung von Konzepten, welche eine nachhaltige Entwicklung der Region Baden-Württemberg fördern können.

II
Vom Wissen als Humanressource handelt der folgende Beitrag, wiederum von H. MOHR. Als Grundkategorien, die allerdings nicht scharf voneinander getrennt seien, werden definiert — Humankapital: das in qualifizierten Individuen repräsentierte Leistungspotential einer Bevölkerung;
— Wissenskapital (im engeren Sinn): das nicht (!) an Personen gebundene Wissen in kodifizierter Form (Schriften, Pläne) und nicht kodifizierter Form (Organisationsstrukuren, Tradition), wobei hier zwischen rivalem und nicht-rivalem Wissem unterschieden werde, ob nämlich der Zugang dazu für ökonomische Akteure begrenzt ist oder nicht;
— Sozialkapital: zwischenmenschliche Verhältnisse, wie sie durch Traditionen, Gewohn-heiten, Moralen gegeben sind.

Anmerkung zu dieser problematischen Begrifflichkeit: „Humankapital“ zielt offenbar auf das Können eines Personenkreises, soweit es in profitabler Weise als verwertbar gilt;
„Wissenskapital“ zielt auf Anleitungen, die solchem Können förderlich sind;
„Sozialkapital“ auf Verhaltensweisen, die jenem Können zuträglich sind.

Wissen, um mit Mohr fortzufahren, wird in neueren Ansätzen der Ökonomie als Produktionsfaktor aufgefasst, und zwar im Produktionsprozess von Gütern und Dienstleistungen, in der Erzeugung von neuem Wissen und in der Kapitalbildung, die Bildung von Humankapital miteingeschlossen.
Was Formen des Wissens angeht, so ist als grundlegende Unterscheidung die von Verfügungs-wissen und Orientierungswissen gebräuchlich. Die erstere Form, von Mohr als „anwendungsfähiges Sachwissen“ bezeichnet, bedeute „machen können“ und in diesem Sinne auch „Macht“. Die zweitere Form des Wissens, mehr oder weniger an Moral(philosophie) ausgerichtet, gäbe der ersteren die Anleitung, ohne die sie „blind“ sei.
Wolf vertritt die Ansicht einer „prinzipiellen Begrenztheit des Wissens“. Seine Begründung dafür geht dahin, dass es Grenzen der Präzision und Grenzen der Relevanz gibt.
Als „gesellschaftliches Problem ersten Ranges“ sieht er das, was er „funktionales Analphabetentum“ nennt; er meint damit eine nicht hinreichende Beherrschung der Schriftsprache und plädiert für deren (Wieder-)Aneignung in besonderen Kursen.

III
Unter dem Thema, was Wissen bedeutet, werden eine Reihe von Fallstudien bzw. Thesenkomplexen verschiedener Autoren ausgebreitet. Welche Positionen sind darin vertreten? Für F. E. WEINERT ist es das Gebot der Stunde, dafür zu sorgen, dass in den Bildungs-institutionen eine „breite, solide Allgemeinbildung“ und ein „flexibel nutzbares fachliches Wissen“ erworben werden kann. — G. WOLTERS akzentuiert das Orientierungswissen; das Problem dabei sei heute allerdings, dass Orientierungen durch die „postmodernen“ Strömungen „beliebig“ geworden zu sein scheinen. Um dem abzuhelfen, führt er die Unterscheidung von „erzwingbaren“ und „nicht-erzwingbaren“ Orientierungen ein; unter den erzwingbaren versteht er die des geltenden Rechts und der geltenden Ordnung. An diesen vor allem habe das Bildungswesen sich auszurichten. — Von M. HEIDENREICH werden die sozialen Muster reflektiert, in denen technisches Wissen organisiert wird bzw. werden kann. Grundlegend ist für ihn die Unterscheidung zweier Typen der Wissensproduktion: dem ‚akademischen‘, der an der Wahrheit der Ergebnisse und dem ‚gewerblichen‘, der an der Brauchbarkeit der Ergebnisse interessiert ist. In neueren (wissenssoziologischen) Ansätzen sei die Kategorie des „Denkkollektivs“ bestimmend; Denkgemeinschaften könnten wirksam sein in Organisationen (Unternehmen), in Feldern (Netzwerken), in Berufen (Verbänden). Als charakteristisches Problem der Gegenwart sieht Heidenreich, dass die vorgegebenen Institutionen zur Organisierung des Wissens zu starr sind, dass eine institutionelle Sicherung aber doch für die Weiterentwicklung kollektiver Wissensbestände unumgänglich ist. Zur Bewältigung dieses Dilemmas seien Brückeninstitutionen hilfreich, wodurch die Bildung von Innovationsnetzwerken stimuliert werden könnten.

IV
Vom „Sozialkapital“ handelt der vierte Abschnitt. In einer theoretischen Erörterung hebt H. MOHR die Bedeutung der Moral für das „Sozialkapital“ hervor; sie erzeuge, als Regulatorin für ein Mindestmaß an Regelbefolgung in einer Gesellschaft, synergetische Kooperationseffekte. — Wie (gutes) Sozialverhalten in einem Land respective ‚Ländle‘ praktisch gefördert werden kann, überlegen K. HUMMEL und G. MÄCHTLE. Durch Mitwirken an den demokratischen Institutionen anstatt sie nur zu vollziehen, ist die Antwort. — In einem Gespräch mit H. KASEMIR erklärt die Interviewte zunächst einmal, was sie unter „Sozial-kapital“ versteht: (im Sinne Bourdieu’s) um Ressourcen, die durch die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe gegeben sind. Gefragt, ob der amerikanische ‚Communitarism‘ in Deutschland Einzug halten könne, antwortet sie: Im Prinzip ja, wie auch die Arbeit an einem kommunitarischen Manifest für die Bundesrepublik Deutschlands zeigt, doch in modifizierter Form, nämlich typischerweise im Rahmen von Verbänden wie zum Beispiel dem einer Landeskirche.

V
„Grenzen für die Entwicklung des Humankapitals“ ist das anschließende Thema, zunächst aus naturwissenschaftlicher Sicht. H. MOHR erläutert dabei das „demographische Dilemma“, wonach in Deutschland die sogenannte Fertilitätsrate (durchschnittliche Kinderzahl pro Frau) während der vergangenen Generation um nahezu die Hälfte gesunken ist, während gleichzeitig die Menschen deutlich älter geworden sind. In Baden-Württemberg habe sich dies (1995) in der Weise ausgewirkt, dass das natürliche Bevölkerungswachstum vollständig auf auf die ausländische Bevölkerung des Landes zurückging. (S. 118) Soweit durch den demographischen Wandel das „Humankapital“ negativ betroffen sei, müsse dem durch Fort- und Weiterbildung entgegengewirkt werden. Doch nach Mohrs Ansicht ist dies nur in engen Grenzen möglich. — F. VOGEL behandelt dann das gleiche Thema aus der Sicht des Humangenetikers. Insgesamt gehe der Trend dahin, von genetischen Bedingungen her Behinderte weitgehend am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu lassen. Die als Lernbehinderte Eingestuften seien auf mehrere Prozent der Bevölkerung zu veranschlagen; im Allgemeinen seien sie arbeitsfähig und sollten auf einem ihnen entsprechenden Anspruchsniveau arbeiten. — Aus lernpsychologischer Sicht urteilt F. E. WEINERT. „Gut urteilen, gut verstehen, gut denken“ (S. 137, Binet/Simon zitierend), diese vage und gleichwohl gehaltvolle Umschreibung wesentlicher Funktionen der Intelligenz aus den Anfängen der (ein Jahrhundert alten) psychologischen Intelligenzforschung habe ihren wissenschaftlichen Charme und auch eine gewisse Gültigkeit behalten. Mit hierauf aufgebauten Methoden habe belegt werden können, „dass die meisten Individuen im Verlauf ihres Lebens große Freiheitsgrade bei der Entwicklung, Bildung und Ausbildung ihrer kognitiven Kompetenzen haben.“ (S. 152) Aus dieser — gegenüber H. Mohr beträchtlich verschiedenen — Sicht würden die Optimierungsmöglichkeiten dieser „wichtigsten Humanressource“ noch keineswegs ausgeschöpft und in der weiteren Entwicklung auch nicht prognostizierbar erscheinen. Als Stichworte in diesem Zusammenhang nennt Weinert den Aufbau von Schlüsselqualifikationen, metakognitive Kompetenzen, Expertiseerwerb, Verbesserung der Instriktionsmethoden, effektive Mensch – Maschine-Interaktionen.

VI
Dieser Abschnitt handelt von den Bedingungen, unter denen sich Humanressourcen erneuern. Als Qualifikationsforscher setzen sich J. DORÉ und G. CLAR kritisch mit der ursprünglichen Humankapitaltheorie (G.S. Becker u.a.) auseinander. Diese sei am Modell eines idealen Markts und der in ihm unter dem Vorzeichen der (monetären) Gewinnmaximierung handelnden Akteure orientiert und werde wesentlichen Bedingungen von Qualifizierungsprozessen nicht gerecht; insbesondere werde in jener Theorie unterstellt, dass ein individuelles Humankapital mit dem formalen Bildungsabschluss des Individuums gleichgesetzt werden kann und dass die Höhe eines Bildungsniveaus sowohl mit Arbeits-produktivität als auch mit Entgelt positiv korrelliert. Dem setzen Doré und Clar zweierlei entgegen: (1) Lernprozesse finden auch neben dem Bildungssystems statt; (2) sie finden auch nach dem formalen Bildungsabschluss statt (und sind insofern keine statische, sondern eine dynamische Größe). Diese Gesichtspunkte seien wichtig unter Bedingungen, wo Arbeits- und Lernphasen zunehmend sich abwechseln. — Von F. PFEIFFER wird in einer empirischen Studie dann gezeigt, dass in jüngster Vergangenheit nicht-formales Lernen an Bedeutung gewonnen hat, und zwar sowohl als Lernen am Arbeitsplatz wie auch als Lernen in der Weiterbildung; dies gelte besonders für Erwerbstätige, die sich im Dualen Berufsaus-bildungssystem bewegt haben. „Insgesamt hat die Berufsausbildung immer weniger den Charakter einer Ausbildung für einen Beruf, sondern wird zu einer Ausbildung durch einen Beruf.“ (S.192) — J. VELLING/F. PFEIFFER thematisieren, wiederum auf empirischer Grundlage, die „unzulängliche Nutzung von Humankapital“. Einige ihrer Ergebnisse: (a) Gegen Mitte der 90er Jahre waren rund ein Fünftel der Arbeitnehmer in Deutschland unterwertig beschäftigt (sogenannte Überqualifikation; bei Hochschulabsolventen betrug der Anteil rund ein Sechstel); (b) Frauen sind, bedingt durch ihre spezifischen Erwerbsunterbrechungen, stärker betroffen als Männer; (c) Berufswechsel hat kaum einen Einfluss auf den Wert einer Arbeitskraft, wohl aber Arbeitslosigkeit (Abwertung); (d) Hohe Arbeitslosigkeit in einer Fachrichtung korrelliert positiv mit unterwertiger Beschäftigung. Die Empfehlungen der Autoren gehen dahin, Umschulung und Weiterbildung mit dem Bedarf an Arbeitskräften eng zu koordinieren.— Den Beitrag der Familien vor Augen, arbeitet H. KASEMIR mit einer weiten Fassung des Begriffs „Humankapital“: „Zum Humanvermögen zählen alle an die Person gebundenen Ressourcen wie Gesundheit, Wissen, Motivation und Kompetenz, von deren Nutzung sowohl die individuelle als auch die kollektive Wohlfahrt abhängt.“ (S. 221) Kasemir fasst ‚Familie heute‘ interessanterweise als eine sich (innerhalb einer Generation) selbst auflösende soziale Gruppe. Deren Erscheinungsformen werden sich nach Kasemir wahrscheinlich weiterhin stark wandeln, aber die Funktion der Familie als elementar zum Humanvermögen Beitragende wird wohl immer wichtig sein. Allerdings gehe dieser Beitrag noch kaum in (volks-) wirtschaftliche Kalkulationen ein. Als ein Hauptproblem sieht Kasemir, dass sich, was das Aufziehen von Kindern anlangt, zunehmend eine Schere zwischen Eltern einerseits und Singles andererseits auftut. Hier müsse sorgfältig überlegt werden, wie eine gerechte ökonomische Regelung gefunden werden kann, die es auch in dieser Hinsicht attraktiv macht, „Mittler zwischen Vorfahren und Nachkommen“ zu sein. — Die Finanzierung der Weiterbildung interessiert J. DORÉ. Ihrer Meinung nach sollten sowohl Teilnehmer als auch Solidarsysteme stärker an den Kosten für diesen Aspekt der Entwicklung von Humankapital beteiligt werden. Es sei daran zu denken, die Finanzbeiträge nach dem Nutzen für Individuen, Betriebe und Gesamtgesellschaft zu bestimmen. Im Übrigen plädiert sie im Sinne der Markttransparenz der Weiterbildung für Strukturen einer unabhängigen und neutralen Zertifizierung. — Um die Wirkung technischen Fortschritts auf die Beschäftigung geht es bei D. BLECHINGER/F. PFEIFFER, wobei ‚Beschäftigung‘ differenziert betrachtet werden kann nach der Arbeitszeit, der Anzahl der Beschäftigten und ihrer Qualifikationsstruktur. Was den technischen Fortschritt angeht, werde in der ökonomischen Theorie grundlegend zwischen Prozessinnovation (Verfahrensverbesserungen) und Produktinnovation (neue Güter) geschieden. Allerdings könnten aufgrund der Theorie keine klaren positiven oder negativen Zusammenhänge zwischen Innovation und Beschäftigung ausgemacht werden, weder im Ganzen noch im Einzelnen. Deshalb sei der Blick auf empirisch Untersuchtes vonnöten. Hier zeige sich bei der (besser untersuchten) Prozessinnovation in der Industrie folgender Effekt: die Beschäftigung bei den höher Qualifizierten (Wissenschaftler, Techniker, Facharbeiter) steigt, während sie beim „übrigen Personal“ sinkt. Die Autoren ziehen daraus die Konsequenz, dass Arbeitskräfte ohne formale Qualifikation einen verbesserten Zugang zur Weiterbildung erhalten sollten.

VII
Von nachhaltiger Entwicklung der Humanressourcen handelt dieser Abschnitt. G. CLAR und J. DORÉ erläutern hier zunächst die herrschenden Wachstumsmodelle: Nach dem Modell von Solow (1950er Jahre), so wird gesagt, ist technischer Fortschritt der entscheidende Beweggrund für langfristiges Wachstum; dieser Faktor selbst sei allerdings nicht erklärt. Bis zu einem gewissen Grad sei dies in späteren Modellen geschehen, z.B. bei Lucas, wo externe Effekte des Humankapitals (etwa die Minderung der Kriminalität durch Hebung des Bildungsniveaus) berücksichtigt sind. Ein gewichtigerer Fortschritt sei durch die auf Paul Romer zurückgehenden Modelle erfolgt, wo interne bzw. Rückkopplungseffekte im Blickpunkt stehen, weshalb sie als endogene Modelle bezeichnet werden. In ihnen wird angenommen, dass mit wachsendem Einsatz von Humankapital und (nicht personengebundenem) technischem Wissen die Zahl von verwertbaren Erfindungen steigt. Wegen seiner praktischen Relevanz gehen die Autoren auf ein neues Modell von Seiten der Weltbank („Monitoring Environmental Progress“) näher ein. Unter Humanressourcen werden in diesem Ansatz, der mit dem der Autoren eng verwandt ist, verstanden: die reine Arbeitskraft plus Humankapital (Ertrag aus Bildung/Ausbildung) plus Sozialkapital (individuelle und institutionelle Beziehungen). Der Wert der Humanressourcen in einer Gesellschaft oder Region wird berechnet, indem vom Bruttosozialprodukt ausgegangen wird; aus ihm wird der als Ertrag aus Kapital und Arbeit angesehene Teil herausgerechnet und von diesem der Sachkapitalbestand abgezogen, woraus die Humanressourcen als verbleibende Größe resultieren. Mit dieser Berechnungsweise ist man zu dem Ergebnis gekommen, dass in Westeuropa die Humanressourcen 75 % des Gesamtvermögens ausmachen, das Sachvermögen 22 % und das sogenannte Natur- oder Umweltkapital (Bodenschätze, Agrarland, Wälder, Gewässer) 3 %. Die Weltbankstudie kommt mit dem so angelegten Maßstab zum dem Schluss, dass sich die verschiedenen Regionen hinsichtlich der natürlichen Ressourcen mit einer Schwankungsbreite von 3:1 vergleichweise wenig unterscheiden, hinsichtlich der menschlichen Ressourcen mit einer Schwankungsbreite von 20:1 dagegen stark. (Statistik S. 291 f) — Die Möglichkeiten und Grenzen regionaler Wirtschaftspolitik beleuchtet dann U. WALZ. In diesem Feld arbeite man mit einer Kombination aus endogenen Wachstumtheorien und Standorttheorien. Was Letzteres betrifft, so spiele die Infrastruktur im eigentlichen Sinne (Ver- und Entsorgung) eine Rolle, desweiteren die Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur, die technologische Infrastruktur (Wissen-schaft darunter gefasst). Als wirksamste Bedingungen für einen sich selbst tragenden regionalen Wachstunsprozess sieht Walz das Vorhandensein von solchen infrastrukturellen Faktoren, die „mobile Humanressourcen“ attrahieren. — Über Schlüsselqualifikationen und der Notwendigkeit, sie in nationalen Institutionen zu erforschen und die Ergebnisse zu dis-tributieren, spricht A. TUIJNMAN von der International Academy of Education in Belgien. Vorhandene Standardmessmethoden des formalen Bildungsniveaus einer Bevölkerung (etwa eine von der OECD benutzte, wonach in Europa Schweden weit oben, Deutschland in der Mitte und Polen weit unten erscheint) würden nicht viel aussagen über die auf das alltägliche Leben bezogenen „Skills“ einer Bevölkerung, vor allem nicht im Hinblick auf die Zukunft. Zu den wichtig werdenden Qualitäten rechnet Tuijnman Selbstvertrauen, Kritikfähigkeit („critical awareness“), kreatives Denkvermögen, Selbständigkeit im Arbeiten, Kooperationsfähigkeit, demokratisches Verhalten („the democratic exercise of rights and duties“) und Respekt vor fremden Kulturen Auch wenn es Aufgabe der Schulen in den einzelnen Länder weiterhin ist, nationale Identität zu pflegen, in die Literatur, das Zahlenwesen, Natur und Sprachen einzuführen, hätten sie sich auf die wichtig werdenden ’neuen Qualitäten‘ einzustellen.

VIII
Ausblickend geben die Herausgeber eine Zusammenfassung und fragen darüber hinaus, wie Berufstätigkeit sich wandeln wird. Insgesamt würden die (scharf definierten) Berufsbilder von Qualifikationsfeldern abgelöst werden, in denen sich lebenslang Lernende flexibel und mobil bewegen; als solche Felder würden sich konturenhaft etwa die folgenden abzeichnen (hier werden nur Beispiele genannt):
— das Feld der Wissensmehrung (Verbundforschung u.a. in Forschungsfirmen),
— das Feld der Wissensvermittlung (Lehren im weitesten Sinne),
— das Feld der Technologie- und Produktentwicklung,
— das Feld der Beratung (Anleitung bei technischer und organisatorischer Komplexität).

14.11.2001; MF

Veröffentlicht in Wissensmanagement - Literatur