Burr, Wolfgang: Veränderung von Managementfunktionen bei Telearbeit

Burr, Wolfgang: Veränderung von Managementfunktionen bei Telearbeit, in: Krämer, Jochen / Richter, Jürgen / Wendel, Jürgen / Zinssmeister, Gabi (Hg.): Schöne neue Arbeit. Die Zukunft der Arbeit vor dem Hintergrund neuer Informationstechnologien. Mössingen-Talheim 1997 (Talheimer Sammlung kritisches Wissen), S. 148-152. ISBN 3-89376-068-7. 42,00 DM.

Themen: Betriebswirtschaftslehre, Entgelt , Implementierung, Kontrolle, Personalmanagement, Unternehmensstrukturen.

Abstract
Ausgehend von den mit der Einführung von Telearbeit verbundenen Erfordernissen organisatorischen Wandels diskutiert der Autor drei mögliche Ansatzpunkte für die Anpassung der Unternehmensstrukturen an diese Entwicklung.

Inhaltsverzeichnis
1. Anreizsysteme
2. Managementprinzipien und Steuerungssysteme
3. Kontrollsysteme
4. Fazit

Bewertung
Der knappe Überblick zur Frage der Entwicklung von Kontrollmöglichkeiten des Managements in Telearbeitsumgebungen ermöglicht einen schnellen Zugang zu Entwicklungsszenarien im Hinblick auf die Anpassung von Organisationsstrukturen.

Inhalt

1. Anreizsysteme
Burr sieht die Erfordernis der Anpassung der bisher eingesetzten, für traditionelle Arbeitsverhältnisse gestalteten Anreiz- und Entlohnungssysteme. Diese honorierten bisher oftmals die physische Anwesenheit („Face time“). Ebenso stand bisher überwiegend der Leistungserstellungsprozeß und das persönliche Wohlverhalten im Mittelpunkt. Diese Faktoren entfallen nun weitgehend. Burr fordert, daß nunmehr das erbrachte Leistungsergebnis und die Performance des Telearbeiters betont werden müssen. Er begreift Telearbeit hierbei einerseits als Trendverstärker für die Einführung neuer Anreiz- und Entlohnungsformen insgesamt, andererseits fügt sie sich in mit den derzeit aktuellen Managementkonzepten verbundene Entwicklungen harmonisch ein. Da ein mengenmäßiger Output in bestimmten Bereichen kein sinnvolles Qualitätskriterium darstellt, soll der Interessensausgleich zwischen Telearbeiter und Unternehmen beispielsweise über Belegschaftssaktionen oder Aktienoptionen erfolgen. Die damit verbundene partielle Interessensangleichung soll nicht auf die Vorstandsebene beschränkt bleiben.

2. Managementprinzipien und Steuerungssysteme
Burr erachtet die Anpassung der bewährten Managementprinzipien und Steuerungssysteme an die Telearbeit als notwendig. Ihre Einführung fördert bzw. erzwingt den Übergang von verhaltensorientierter zu ergebnis- und output-orientierter Mitarbeiterführung („Management by objectives“). Daher prognostiziert er einen Bedeutungszuwachs von betriebswirtschaftlichen Methoden zur Messung der Performance einzelner Mitarbeiter sowie zur Erfassung ihres Outputs. Subjektive Beurteilung des Mitarbeiterverhaltens durch den Vorgesetzten werde an Bedeutung verlieren und durch die Objektivierung von Mitarbeiterverhalten ersetzt.

3. Kontrollsysteme
Telearbeit erfordert darüber hinaus eine Anpassung innerbetrieblicher Systeme zur Leistungsmessung und Kontrolle. Es stehen mehrere Alternativen zur Verfügung:
Vollständiger Verzicht auf Kontrolle, die Burr dann sinnvoll erscheint, wenn ein großes Vertrauen zwischen Management und Telearbeiter besteht oder die Anreiz- und Entlohnungssysteme den Telearbeiter zum „Selbstläufer“ machen. Als neue Kontrollparameter gegenüber der bisherigen direkten Beaufsichtigung des Mitarbeiterverhaltens führt er den Input in den Leistungserstellungsprozeß selbst und/oder den Output des Leistungsprozesses (Qualitäts-, Kosten-, Ertrags-, Gewinn- oder Wertschöpfungskontrolle) an. Weitere Möglichkeiten sieht er in der Vermehrung der Kontrollinstanzen in Form der Vermehrung von Berichtspflichten des Telearbeiters oder im Wechsel der Kontrollinstanz (z.B. Kunden bei marktnahen Leistungsprozessen oder über einen Benchmarking-Ansatz durch eine betriebliche Vergleichsgruppe). Außerdem kann der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik im Sinne von „Workflow-Systemen“, die arbeitsteilige Leistungserstellungsprozesse elektronisch steuern und dokumentieren, zur Überwachung des Arbeitsfortschritts eingesetzt werden. Die Implementierung von Mischarbeitsformen (im Sinne von alternierender Telearbeit) ermöglicht die soziale Kontrolle seitens der Kollegen.

4. Fazit
Der Verfasser will zeigen, daß die Telearbeit nicht das Ende aller Kontrollmöglichkeiten des Managements über seine Mitarbeiter bedeutet. Er sieht drei unterschiedliche Entwicklungsszenarien: a.) Implementierung einer Vielfalt neuer Kontrollformen; die unter Umständen sogar eine Intensivierung von Kontrollmöglichkeiten bedeutet; b.) Ökonomisierung von Kontrolle und c.) Verzicht auf jegliche Kontrolle.

05.02.2001; KS

Veröffentlicht in Telemanagement - Literatur