Büssing, André et al.: Telearbeit und Qualität des Arbeitslebens (AQUATEL)© – Eine Untersuchung der Bedingungen alternierender Telearbeit auf die Qualität des Arbeits- und Nicht-Arbeitslebens

Büssing, André / Broome, Patrick / Bernhaupt, Regina / Buddendick, Anita: Telearbeit und Qualität des Arbeitslebens (AQUATEL)©. Eine Untersuchung der Bedingungen alternierender Telearbeit auf die Qualität des Arbeits- und Nicht-Arbeitslebens, München 1999 (Berichte aus dem Lehrstuhl für Psychologie der TU München, Nr. 45). 136 S. 26,00 DM.

Themen: Akzeptanz, alternierende Telearbeit, Arbeit & Freizeit, Arbeitszufriedenheit, Arbeits- und Organisationspsychologie, Grenzen des Technologie-Einsatzes, Personalmanagement, Qualifikation, Selbstdisziplinierung, Familie & Beruf.

Abstract
Das Projekt „Telearbeit und Qualität des Arbeitslebens“ (AQUATEL) untersucht den Zusammenhang zwischen Telearbeit und der Qualität des Arbeitslebens aus Sicht der ArbeitnehmerInnen.

Inhaltsverzeichnis
1. Telearbeit – Konzepte, Methoden und Befunde
2. Rahmen und Zielsetzungen zur Untersuchung der Qualität des Arbeits- und Nicht-Arbeitslebens unter Telearbeit
3. Untersuchungsdesign
4. Untersuchungsmethoden
5. Ergebnisse zu den Bedingungen des Arbeits- und Nicht-Arbeitslebens
6. Tätigkeitsbezogene, fachliche, soziale und persönliche Ressourcen
7. Wirkungen von Telearbeit auf die Qualität des Arbeits- und Nicht-Arbeitslebens
8. Diskussion und Ausblick
9. Literatur

Bewertung
Da es sich um einen Zwischenbericht handelt, nehmen methodische Fragen relativ viel Raum ein. Unklar bleibt manchmal die Herkunft der jeweiligen Ergebnisse, weil Erkenntnisse aus der Literatur und eigene, empirisch gewonnene Schlußfolgerungen nebeneinander gestellt werden. Innovativ ist der Einsatz von „Begehungsinterviews“ zur Datengewinnung.
Inhalt

1. Telearbeit – Konzepte, Methoden und Befunde
Neben der Darstellung des Forschungsstandes von 1999 und der Definition (räumlich, zeitlich und vertraglich) der Organisationsformen von Telearbeit benennen die AutorInnen die Kriterien für die Bestimmung der Qualität des Arbeitslebens (= subjektives Maß für arbeitsbezogenes Wohlbefinden und Zufriedenheit) und Nicht-Arbeitslebens.

2. Rahmen und Zielsetzungen zur Untersuchung der Qualität des Arbeits- und Nicht-Arbeitslebens unter Telearbeit
Neben den tätigkeitsbezogenen Ressourcen sehen sie vor allem soziale bzw. persönliche Ressourcen als ausschlaggebende Faktoren für die Qualität des Arbeitslebens (und des Nicht-Arbeitslebens) an. Im Mittelpunkt stehen die Arbeitsaufgaben und die Tätigkeitsstruktur (außerberufliche Bedingungen, Anforderungen der Arbeitsorganisation, Anforderungen an fachliche, soziale und persönliche Ressourcen, Gestaltung des Arbeitsplatzes und tätigkeitsbezogene Ressourcen).

3. Untersuchungsdesign
Da der Stand der Telearbeitforschung keinen hypothesenprüfenden Ansatz zuläßt, erfolgt ein exploratives Vorgehen. Die zugrundeliegende Stichprobe rekrutiert sich aus 33 TelearbeiterInnen aus zwei nordrhein-westfälischen Betrieben (Rechenzentrum im Bankensektor und produzierendes multinationales Unternehmen der chemischen und pharmazeutischen Industrie), die in alternierender Telearbeit zumeist zwischen sechs Monaten und einem Jahr tätig waren. Die Erhebung erfolgte mittels standardisiertem Fragebogen. Erhoben wurden Antworten zu Arbeitsbedingungen, Bewältigung von Arbeitsanforderungen, zur Verfügung stehende Ressourcen und deren Wirkung auf die Qualität (Chancen und Risiken) des erlebten Arbeits- und Nicht-Arbeitslebens. Die soziale Zusammensetzung der Stichprobe ergibt ein durchschnittliches Alter von 37 Jahren und ein sehr hohes Bildungsniveau (74%: Abitur oder Fachabitur).

4. Untersuchungsmethoden
Neben Experten-und Mitarbeiterfragebogen entwickelten die AutorInnen für eine kleine Auswahl von TelearbeiterInnen einen „Leitfaden zur häuslichen Begehung von Telearbeitsplätzen“. Das „Begehungsinterview“ setzt sich aus standardisierten und halbstandardisierten Fragen zusammen und soll der „objektiven Analyse des Arbeitsplatzes durch den wissenschaftlichen Telearbeitsexperten“ (S.46) dienen.

5. Ergebnisse zu den Bedingungen des Arbeits- und Nicht-Arbeitslebens
Die Ergebnisse werfen insgesamt „ein positives Licht auf die Qualität des Arbeits- und Nicht-Arbeitslebens“ (S.115). Verzerrungen aufgrund der kleinen Stichprobe und im Sinne von sozialer Erwünschtheit halten die AutorInnen für unwahrscheinlich. Sie erinnern daran, daß bisher nur die wenigsten Untersuchungen zu Telearbeit telearbeitsspezifische Ergebnisse erbracht haben.
Bisher untersuchten nur wenige Studien Telearbeit auch aus der Perspektive der Nicht-Arbeit.
Angesichts der Bedeutung der Kommunikation mit Vorgesetzten, Kollegen und Geschäftspartnern, besteht in der Schaffung von Vertrauen und Bindung eine wesentliche Aufgabe. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Erhöhung von Face-to-Face-Kontakten mit Vorgesetzten. Ebenfalls wichtig ist die richtige Medienwahl und das Bewußtsein bei den MitarbeiterInnen über die Grenzen des jeweiligen Technologieeinsatzes. Die Untersuchung zeigt außerdem, daß zwischen Vertrauen, Organisationsbindung sowie Job- bzw. Workinvolvement ein enger Zusammenhang besteht. Die Ergebnisse bestätigen, daß für die Kooperation und Führung von TelearbeiterInnen nach wie vor das personale Vertrauen zum unmittelbaren Vorgesetzen wie zum Unternehmen insgesamt wichtig ist. Demnach erzielen „faceless commitments“ nur eine begrenzte Reichweite. Denn für die nötige Organisationsbindung und ein entsprechendes Arbeitsstelleninvolvement bleiben Face-to-Face-Kontakte in „Begegnungs- und Ankoppelungsstellen“ unabdingbar.

6. Tätigkeitsbezogene, fachliche, soziale und persönliche Ressourcen
Wie (Kleemann/Voß (1999)) sehen sie die eigentliche Herausforderung durch die Telearbeit in der Aufhebung der starren Trennung von Erwerbsarbeit und außerberuflichem Lebensbereich. In Anlehnung an das (allerdings nicht erwähnte) „Konzept der alltäglichen Lebensführung“ als aktiven Gestaltungsprozeß betonen die AutorInnen die neuen und anspruchsvollen zu erbringenden Strukturierungsleistungen, Belastungen, aber auch berufliche Qualifikationsanforderungen.

7. Wirkungen von Telearbeit auf die Qualität des Arbeits- und Nicht-Arbeitslebens
Die VerfasserInnen plädieren für eine „veränderte soziotechnische Systemauffassung“ und gegen „technikorientierte Kurzatmigkeit“ bei der Einführung und Gestaltung von Telearbeitsplätzen.

15.01.2001; KS

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