Workshop: „Wie muss Technik?“ in Berlin

Humanistische Wertmaßstäbe und digitale Zukunftswelten – wie geht das zusammen? Dieser komplexen Frage widmet sich ein Workshop, der humanistische Standpunkte in den aktuellen Debatten verorten und überprüfen möchte. Auch wir sind bei dem Workshop dabei.

Neue Technologien erweisen sich oft als Game-Changer, die unseren weltanschaulichen Kompass gehörig zum Rotieren bringen. Besonders die fortschreitende digitale Revolution stellt uns vor immer neue mentale, ethische und philosophische Herausforderungen. Gesetzgeber und Zivilgesellschaft haben alle Mühe, mit der faktischen Entwicklung auch nur annähernd Schritt zu halten. Humanisten haben dieses Feld in der Vergangenheit zu sehr anderen überlassen. Denn auch humanistische Werte wie Aufklärung, Selbstbestimmung, Pluralismus und friedliche Kooperation stehen heute auf dem Prüfstand.

Die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) und der Humanistische Pressedienst (hpd) laden deshalb am 17./18. März 2018 zu einem Workshop in Berlin ein, der Interessierte aus einem größeren Spektrum zusammenbringen soll. Spannende Kurzvorträge und eine moderierte Diskussion sollen eine zielgerichtete und fruchtbare Diskussion ermöglichen. Interessierte können sich bis zum 1. März anmelden.

Themen des Workshops werden u.a. sein: Meinungsfreiheit versus Zensur, Datensparsamkeit versus Komfort, Überwachung versus Privatsphäre. Neben ethischen Fragen wird es auch darum gehen, welche konkreten Maßnahmen am wirkungsvollsten zu treffen oder zu unterstützen sind. Am Ende des Workshops soll ein Thesenpapier die gewonnenen Erkenntnisse zusammenfassen.

Das Treffen wird thematisch strukturiert und moderiert, damit eine zielgerichtete Diskussion ermöglicht wird. Zwischendurch wird es Impulsvorträge von Leon Kaiser (Netzpolitik.org), Tobias Knobloch (Stiftung Neue Verantwortung), Michael Mörike (Integrata Stiftung) sowie Arbeitsgruppen geben. Ihre Teilnahme zugesagt haben u.a. Michael Schmidt-Salomon (gbs-Vorstandssprecher) und Frank Nicolai (Chefredakteur des Humanistischen Pressedienstes). Zur Vorbereitung wird eine Medienliste zu essenziellen Themen und Positionen bereitgestellt. Die Leitung des Workshops liegt bei Peder Iblher (bludot).

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Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

Das HumanIThesia-Team wünscht Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Wir danken Ihnen herzlich für Ihr Interesse und freuen, Sie auch im neuen Jahr hier im Blog oder auf unseren Veranstaltungen begrüßen zu dürfen, um mit Ihnen über die ethischen Herausforderungen bei Robotik und Künstlicher Intelligenz zu diskutieren.

Ethik und KI: Was muss der Gesetzgeber im Jahr 2018 ändern?

Wie soll der Gesetzgeber mit den Entwicklungen im Bereich KI umgehen? Wollen wir „Digital first, Bedenken second“? Politische Leitlinien zum Jahreswechsel.

Von Georg Ludwig Verhoeven

Im aktuellen Lagebericht des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik vom November 2017 beklagt der deutsche Innenminister Thomas de Maizière, dass „große Teile der Wirtschaft, aber auch Verwaltung und Privatleute“ nicht ausreichend gegen Cyberangriffe geschützt sind und so kriminellen Geschäftsmodellen das Leben leicht machen. Als einen Grund hierfür macht er aus: „Bequemlichkeit hat zu oft Vorrang vor Sicherheit“. Also liegt die Schuld beim User, beim Bürger selbst?

In diesem Lagebericht geht es vorrangig um Schadsoftware und wie man sich dagegen schützen kann / soll / muss. Interessant dabei: Das Thema Künstliche Intelligenz kommt in diesem Bericht nicht vor. Da darf man fragen: Muss erst ein KI-Angriff vom Format eines WannyCry stattfinden, muss erst massiver Schaden entstehen, ehe sich Politik und Gesetzgeber darum kümmern?

Was hat der Gesetzgeber im Bereich KI auf dem Schirm?

Traditionelle Technologien – Straßenverkehr, Bauwirtschaft, Lebensmittelwirtschaft, Medizin etc. – sind national und international bis ins Detail reglementiert – man sehe sich nur die unterschiedlichen EG-Verordnungen zu Bananen an. Jeder Bauplan wird auf Statik und Einhaltung der – oft rein ästhetischen – Vorgaben eines Bebauungsplans, jedes Fahrzeug in Crash- und anderen Tests auf Sicherheit, Umweltverhalten etc. geprüft; alle zwei Jahre muss es zum TÜV. Es gibt Geschwindigkeitsbeschränkungen und andere Ge- und Verbote im Straßenverkehr, Zulassungsverfahren für Medikamente usw. Sicher: Nicht jedes Risiko kann so ausgeschlossen, nicht alle Regeln eingehalten, aber zumindest gibt es ein Regelwerk, das die gewollte Situation beschreibt.

Wenig davon in der Informationstechnologie (IT), und speziell das Thema Künstliche Intelligenz (KI) scheint der Gesetzgeber noch gar nicht auf dem Schirm zu haben. Also kann jeder Hersteller bzw. Entwickler nach Herzenslust immer „leistungsfähigere“ Systeme entwickeln und auf den Markt bringen, wo es auch erst einmal eingesetzt werden kann.

Wer liest eigentlich AGBs?

Das Handwerkzeug ist da: Mit der ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis) wird ein Fahrzeug zum Straßenverkehr zugelassen, warum soll es das nicht auch für IT / KI – Systeme geben? Bei jeder Arzneimittelwerbung wird auf Risiken und Nebenwirkungen hingewiesen – wieso nicht Google, Facebook und Co? Im AGB-Gesetz (inzwischen Teil des BGB) wird der Verbraucher vor dem „Kleingedruckten“ zu seinem Nachteil geschützt – wer weiß schon, welchen Regelungen er/sie durch das Klicken auf „I agree“ zugestimmt hat? Der schiere Umfang dieser Texte verhindert, dass sie komplett verstanden werden; um der Bequemlichkeit willen, und nicht Stunden mit dem Lesen eines von Juristen verfassten Textes zu verbringen, den man eh nicht versteht, wird dann eben „I agree“ geklickt, und Google, Facebook & Co. dürfen meine Daten beliebig auswerten und verknüpfen, meine Fotos und Texte zum Training ihrer KI-Programme verwenden.

Wir wissen heute noch nicht, was im Einzelnen geregelt werden kann und muss, die Industrie wird sich gegen vieles davon wehren, nicht alles wird eingehalten, nicht jeder Verstoß bestraft werden. Aber es wird höchste Zeit, dass Politik und Gesetzgeber sich mit dem Thema beschäftigen, Know-how aufbauen und damit anfangen, die rechtlichen Grundlagen zu schaffen.

Und „wir“, die Zivilgesellschaft müssen das von der Politik einfordern. Wer „Digital first, Bedenken second“ propagiert oder zur Handlungsmaxime macht, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann eine Zeile aus einer E-Mail, ein Foto aus dem privatesten Bereich öffentlich wird, wenn ein Kreditinstitut oder eine Versicherung wegen einer Einkaufsgewohnheit einen Vertrag ablehnen, um nur wenige Beispiele zu nennen. Und das alles ganz legal! Wollen wir das?

Weihnachtsgeschenke: Merry Christmas mit Alexa?

Was Sie beachten sollten, wenn Sie digitale Assistenten wie Alexa oder Siri zu Weihnachten verschenken wollen. Ein kleiner Ratgeber zum Fest.

von Georg Ludwig Verhoeven

In dem Film „A Christmas Story“ (deutsch: Fröhliche Weihnachten“) von 1983 wünscht sich der kleine Ralphie ein Luftgewehr zu Weihnachten. Der Wunsch wird von Eltern, Lehrerin und der gesamten Erwachsenen-Umgebung mit der Killerphrase „You’ll shoot your eye out, kid!“ niedergeschmettert. Dank des Vaters liegt das Gewehr dann doch unter dem Weihnachtsbaum, und Ralphie kann kaum erwarten, es auszuprobieren. Er schießt sich zwar kein Auge aus, stolpert aber durch den Rückstoß so unglücklich, dass ihm die Brille von der Nase fällt und er sie zertritt. Irgendwie ist also die böse Prophezeihung doch in Erfüllung gegangen, wenn auch anders und harmloser als erwartet.

Auf vielen Wunschzetteln dürfte dieses Jahr Amazons digitaler Assistent „Alexa“ bzw. „Echo“, das zugehörige Sprachein- und -ausgabesystem, stehen – vielleicht auch vergleichbare Produkte von Google, (OK, Home), Apple (Siri) oder Microsoft (Cortana). Alexa erlaubt es, die Lieblingsmusik zu spielen, ein Taxi zu rufen, Produkte zu bestellen (bei Amazon), sich an Termine erinnern zu lassen und inzwischen können über Alexa auch kompatible Produkte gesteuert werden – Steckdosen, Lichtschalter, Garagentor, Staubsauger. Es werden täglich mehr. Und eigentlich ist das doch ganz nützlich – oder?

Alexa hört immer mit

Bevor man auf den „Jetzt kaufen“ – Button drückt, sind ein paar Überlegungen sinnvoll: Zum einen muss man sich klarmachen, dass Alexa im Prinzip immer mithört und das Gehörte auswertet. Wenn es ein einfacher Befehl ist wie „Licht an“ oder „spiele die Weihnachts-CD von Bing Crosby ab“, dann ist das harmlos. Wenn es aber eine Bestellung über teure Produkte ist, dann wird es schon problematischer. Und was Sie abends mit Ihrem Partner besprechen, soll sicher ihr Geheimnis bleiben. Theoretisch wird Alexa über Codeworte ein- und ausgeschaltet, und das funktioniert auch. Aber wer hat nicht schon einmal den Herd angelassen, den Schlüssel von innen in der Tür steckenlassen – oder saß plötzlich vor einem Programm, das sich nicht mehr stoppen ließ?

Vor allem die heute junge Generation geht sehr selbstverständlich und bewusst mit den modernen Technologien um, oft aber auch unbekümmert. Man sehe sich nur die Fotos und Texte an, die täglich in sozialen Netzwerken wie Facebook und Co. öffentlich gepostet werden. Dieses Verhalten spielt einem System wie Alexa in die Karten. Wenn Alexa alles mithört, was im Hause vor sich geht, kann sich Amazon daraus zusammenreimen, bei welchen Produkten es sich lohnt, passende Produktinformationen zu platzieren. Aber wo ein IT-System ist, wird es früher oder später auch gehackt – und dann weiß der Bösewicht, wer wann wohin unterwegs ist, wann die Zeit zum Einbruch am günstigsten ist und wie die im Haus Wohnenden am besten zu erpressen sind.

Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen lesen

Wer sich also überlegt, Alexa / Echo oder ein Konkurrenzprodukt auf den Gabentisch zu legen, sollte sich darüber im Klaren sein, was damit alles schon heute möglich ist und in naher Zukunft möglich sein wird. In jedem Fall sollte man bei der Geschenkauswahl auch kritische Stimmen zu Wort kommen lassen, zum Beispiel die Verbraucherschutzzentralen. Es lohnt sich, die umfangreichen Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen zu lesen und zu verstehen. Man wird feststellen, dass sich die Anbieter hier sehr weitgehende Rechte an allem Gehörten einräumen lassen und Verantwortung ablehnen, soweit das eben möglich ist. Die gesammelten Daten liegen auf Amazon-Servern und damit häufig außerhalb Deutschlands, sodass die Durchsetzung deutschen Datenschutzes schwierig oder ganz unmöglich ist, und last but not least behalten sich die Anbieter auch vor, den Service zu ändern oder einzustellen.

Der Weihnachtsmann wusste früher vieles über uns, weil es in seinem „Goldenen Buch“ stand – wie war es da nur hineingekommen? Bei Alexa und Co. wissen wir es bzw. sollten es wissen.

Warum wir ein Gütesiegel für humane IT benötigen

Ein Plädoyer.

von Egon Scherer

Die IT ist ein Musterkind des dualistischen Denkens Platons und ist in fast alle relevanten Lebensbereiche des Menschen „eingezogen“. Verbunden damit haben sich einerseits unsere Optionen des Konsums, der Lebensstile deutlich erhöht, für viele Menschen hat sich auch der Lebensstandard deutlich verbessert.

Wir haben unser Leben unter eine Lupe gelegt, sichtbares in immer kleinere Einheiten zerlegt. Diese Einheiten haben wir mittels IT immer effizienter gemacht, aber auch an vielen Stellen den Blick fürs Ganze, die Harmonie und den Sinn zumindest teilweise verloren. Einher damit ging und geht das Erfassen unserer Lebensgewohnheiten unserer Meinungen, eben alles was für die Wirtschaft und Politik von Relevanz ist.

Die Menschenrechte sind offiziell immer noch gültig, werden aber zunehmend durch die praktizierte Art und Weise des IT-Einsatzes immer mehr verletzt. Gerechtfertigt wird dieses tun mit der Notwendigkeit weiteren Wachstums (TINA), dass wir hierbei zunehmend unseren Planeten nachhaltig schädigen, ist offensichtlich. Die Verstärkung dieses logisch rationalen Denkens, zur Generierung von weiterem Wirtschaftswachstum, verletzt quasi beschleunigt die humanitären Aspekte des IT-Einsatzes in Form von Verletzung der Privatsphäre, Generierung von Bedürfnissen die unter humanitären und sozialen Aspekten keinen Fortschritt darstellen.

Logisch rationales Denken in der bisherigen Form führt zu Systemen der künstlichen Intelligenz (KI) die von wenigen Menschen gesteuert werden oder gar den Menschen als Resource nutzen. Ein Gütesiegel für den humanen Einsatz der IT, wie ihn die Integrata Stiftung fordert, ist dringend erforderlich wollen wir nicht die Kontrolle an Wenige oder gar an die Roboter verlieren. Wir benötigen globale oder zumindest lokale Digitalisierungsrechte, deren Basis die Menschenrechte sind! Hierzu bedarf es Menschen, für die Ethik, Solidarität, Empathie, Mitgefühl, Selbstlosigkeit….. Werte sind die das Leben lebenswert machen.

 

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