Bergmann, Jörg R. / Meier, Christoph: Telekooperation – Strukturen, Dynamik und Konsequenzen elektronisch vermittelter kooperativer Arbeit in Organisationen (Projektdarstellung)

Bergmann, Jörg R. / Meier, Christoph: Telekooperation – Strukturen, Dynamik und Konsequenzen elektronisch vermittelter kooperativer Arbeit in Organisationen, Darstellung eines Forschungsprojekts. Gießen 1998 (Institut für Soziologie, Universität Giessen Arbeitspapier „Telekooperation“ Nr. 1). 17 S. (URL http://www.uni-giessen.de/~g31047/bericht1.pdf).

Themen: Arbeitssoziologie, Arbeitswissenschaft, Grenzen des Technologie-Einsatzes, Kommunikationsstile, Netzkommunikation, soziale Beziehungen, Substituierung von Kommunikation, Unternehmensethnographie, Unternehmensstrukturen, Videokonferenz, Virtualisierung, vi.

Abstract
Der Text gibt einen Überblick über den Forschungsstand (1998) zu Fragen der Telekooperation, insbesondere von Videokonferenzen sowie E-Mail-Kommunikation. Daraus leitet sich das Forschungsprogramm der Autoren ab.

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Stand der Forschung
3. Ziele
4. Zum Vorgehen
Literaturverzeichnis

Bewertung
Die Skizze des Forschungsprojekts verdeutlich kurz und knapp einige wesentliche bis dahin ungelöste Fragen bzw. blinde Flecken von technisch vermittelter kooperativer Arbeit. Noch keine Ergebnisse, aber wichtige Fragen.

Inhalt

1. Einleitung
Allen Prognosen zufolge werden Telearbeit und virtuelle Organisationen, die primär nur noch über Datenleitungen zusammengehalten werden, in zunehmendem Maß den Arbeitsalltag in modernen Gesellschaften prägen. In der aktuellen Diskussion über Telearbeit stehen Markt- und Beschäftigungspotentiale, die damit verbundenen Kosten, der Mangel an rechtlichen Bestimmungen oder die Gefahren von Isolation und Selbstausbeutung der TelearbeiterInnen im Mittelpunkt. Die vorgelagerte Frage, welche spezifischen Qualitäten telekommunikationstechnisch vermittelte Arbeitsprozesse aufweisen, wird dagegen weitgehend vernachlässigt.

2. Zum Stand der Forschung
Die Autoren konstatieren eine Konvergenz von konversationsanalytisch geprägten Untersuchungen zur Interaktion in institutionellen Kontexten einerseits und ethnomethodologischen „studies of work“ andererseits. Sie sehen insbesondere bei der Untersuchung kooperativer Arbeitsprozesse eine mögliche fruchtbare Verbindung dieser beiden Stränge. Ausgangspunkt des geplanten Projekts ist die besondere Bedeutung der Qualität von (informellen) Interaktionsprozessen für eine Organisation bzw. für Prozesse des Organisierens. In der Forschung zur elektronisch vermittelten Kommunikation herrschte bisher eher eine traditionell kommunikationswissenschaftliche Perspektive vor. Hinweise auf die Besonderheit der Qualität und Handlungsstruktur elektronisch vermittelter Kommunikation haben zumeist einen impressionistischen Charakter. Aus der vorliegenden Forschung zu videovermittelter Interaktion leiten die Autoren die Hypothese ab, daß Videokonferenzen wahrscheinlich kein vollwertiger Ersatz für Face-to-Face-Besprechungen sind, sondern sich „eher als zusätzliche Form der Zusammenkunft mit eigenen Qualitäten“ (S.5) etablieren, denn daß sie Face-to-Face-Besprechungen verdrängen können. Außerdem konstatieren sie für die Arbeitssoziologie wie die Arbeitswissenschaft ein Forschungsdesiderat derjenigen Perspektive, die Arbeit als Interaktion in den Mittelpunkt stellt. Kooperative Arbeit erfordert nicht nur periphere Aufmerksamkeit für die Aktivitäten anderer Kollegen im jeweiligen Umfeld, sie ist auch durch den häufigen und übergangslosen Wechsel zwischen individuellen und gemeinsamen Tätigkeiten sowie eine gemeinsame, oft zudem parallele Ausrichtung des Aufmerksamkeitsfokus charakterisierbar.

3. Ziele
Ziel des Projekts ist zum einen, den genuinen Charakter von elektronisch vermittelter kooperativer Arbeit – kontrastiv zu Arbeitstätigkeiten in direkter Face-to-Face Interaktion – empirisch zu bestimmen. Zum anderen soll untersucht werden, welche Konsequenzen sich für die inneren Strukturen von Organisationen ergeben, wenn zunehmend auf Formen elektronisch vermittelter kooperativer Arbeit umgestellt wird.
Es sollen mittels dem in Feldforschung erhobenen Datenmaterial die Regelmäßigkeiten des Verhaltens der Beobachteten identifiziert werden. Ziel ist es, diese Regelmäßigkeiten als „methodisch erzeugte Lösungen struktureller Probleme der Interaktions- und Arbeitsorganisation zu rekonstruieren“ (S.10). Dazu fragen sie nach der spezifischen Qualität elektronisch vermittelter Kommunikation, dem Umgang mit technisch bedingten Handlungsproblemen, den besonderen Kulturtechniken und Routinen, der Adaption der Medien im Hinblick auf die eigenen Bedürfnisse, den Konsequenzen für den Verlauf und die Ergebnisse von Entscheidungsprozessen sowie nach den Folgen für den Prozeß des Organisierens aus den neuen Formen der Zusammenarbeit in virtuellen (Projekt-) Gruppen. Damit will man einen Beitrag zu den bislang wenig beachteten sozialen „Kosten“ von elektronisch vermittelter kooperativer Arbeit sowie zu theoretischen Fragen wie der „interaction order“ (Erving Goffman) leisten.

4. Zum Vorgehen
Das Projekt soll über die Verknüpfung von ethnographischen und konversationsanalytischen Methoden realisiert werden.

24.07.2001; KS

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